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Verschlumpft

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Planking im eigenen Heim ist die Sportart der Stunde. Und Dosensuppe der Vorrat dieser angespannten Tage.

Acht Stunden, 15 Minuten und 15 Sekunden ist ein Weltrekord, den ein gewisser George Hood, Ex-Marine, zur rechten Zeit aufstellte: denn der Rekord betrifft den Unterarmstütz, neudeutsch Planking. Und wenn es eine körperliche Ertüchtigungsform gibt, die in die Zeit passt, dann ja wohl das Ausharren auf ein und derselben Stelle, allein und ohne Energieverbrauch außer dem eigenen. Bloß atmen muss man, aber das muss man sonst auch. Die Übung lässt sich auf dem heimischen Teppich machen; wenn man hustet, hustet man in diesen. Und da jeder normale, das heißt untrainierte Mensch bloß ein paar Minuten durchhält, ist das Planking noch nicht einmal zeitaufwendig.

Im Supermarkt geht der Trend indessen zur Konserve, vor allem zur Suppenkonserve. Und ebenfalls zum Bodenständigen, zum stoischen Nahrungsmittel-Planking gewissermaßen: Eintopf in Dosen. Vom Nudeln-Hamstern war zuletzt viel die Rede, aber aus eigener Anschauung tippen wir eher auf Erbseneintopf, der sich neuerdings wieder in Vorratskammern stapelt. Wieder? Der Erbsenpampe war auf Berghütten einst nicht zu entkommen, wir haben sie gehasst und sie wird keinen Fuß über unsere Schwelle setzen – und wenn wir unsere Nudelreserve ohne alles essen müssen.

In der Drogerie sind die Hygienegels ausverkauft, das war zu erwarten. Und die Reinigungstücher. Aber ist nicht auch das Waschpulver knapp? Und die Mundspülung?

Sicher ist sicher. Und froh ist, wer ein Zuhause hat, in dem für gefühlt 73 Erbseneintöpfe Platz ist (haltbar bis 2031), für 44 Tiefkühlpizzen und 16 Packungen Reinigungstücher. Und daneben auch noch für einen Unterarmstütz. Weniger froh ist, wer jetzt kein Zuhause hat und inserieren muss – aber keinesfalls zeigt derjenige, dass er sich Sorgen macht, egal welche. Denn der Mietmarkttrend geht zur Zeitungsanzeige mit Foto, und wenn sich die betreffenden Personen („25-jährig, alleinstehend“, „27, naturbegeistert, NR“) als Model bewerben würden, dann würde das nicht wundern.

In der gesunden Farbe Blau geschminkt haben sich am vergangenen Wochenende rund 3500 Menschen und sich im bretonischen Ort Landerneau getroffen. Sie sind damit unter dem Radar der Behörden durchgeschlumpft, äh, -schlüpft. Im französischen Mehr-als-1000-Personen-Versammlungsverbot sind schließlich grüne Marsmännchen und blaue Zwergmützenträger bzw. Schtroumpfs nicht erwähnt, so könnten sie argumentiert haben. Daran, dass Schlümpfe etwa nicht zählen könnten, lag es nicht, denn es wurde stolz ein neuer Weltrekord gemeldet.

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