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Bald auch eine bedrohte Tierart? Die Bücherlaus.
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Bald auch eine bedrohte Tierart? Die Bücherlaus.

Times mager

Vermes

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Der Bücherwurm ist immer noch ein relativ vertrauter Anblick. Womöglich aber wird das schwindende Papier-Habitat einst die Bücherläuse bedrohen.

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Zum Zielpublikum der hier folgenden Seiten gehört neben dem Theatergänger, Museumsbesucher, Opernliebhaber, Musikkenner, Filmfan bzw. Cineasten auch immer der Bücherwurm. Aber wir können uns eigentlich nicht erklären, warum die Herkunft der einen aus den Reihen des Homo sapiens festgeschrieben wird, der Leser aus Leidenschaft aber den (lat.) Vermes zugeteilt wird, womöglich von manchem sogar den Niederen Würmern (eine Klassifizierung, die, so lernen wir bei Wikipedia, überholt ist. Aber auch Bücher, sagt man uns, sind überholt, jedenfalls die, die aus Papier bestehen).

Zwar gibt es für den Bücherwurm noch nicht einmal eine wissenschaftliche Bezeichnung, das bedeutet aber nicht, dass er ein Hirngespinst ist. Unschwer kann man ihn noch heute in Sofaecken, Betten, auf Liegestühlen, im ICE, in Flughafenlounges entdecken. Charakteristisch ist der gesenkte Kopf; das Hineinwurmen in die Lektüre wird dagegen nur virtuell vollzogen. Darin, dass der Bücherwurm keine leibhaftigen Schau- oder Klavierspieler braucht, um eine Vorstellung zu haben vom Schau- oder Klavierspieler, vom Stabhochspringer oder Regenwurmzüchter, ist er seit jeher die Vorhut des virtuellen Zeitalters gewesen.

Der Bücherwurm ist immer noch ein relativ vertrauter Anblick, besonders wenn man ihm zubilligt, sich auch von matt glimmenden Tafeln ernähren zu können. Womöglich aber wird das schwindende Papier-Habitat einst die Bücherläuse (Liposcelis) bedrohen: 0,6 bis 1,8 Millimeter groß, gelblich bis bräunlich, Komplexaugen und kurze Fühler. „Die Präferenzbedingungen der Bücherläuse sind erwartungsgemäß je nach Art unterschiedlich“, weiß Wikipedia. Was man sich allerdings nicht so vorzustellen hat, dass die eine Laus nur bei Hamlet oder dem alten Lear wohnen möchte, die andere, des größeren Auslaufs wegen, in „Krieg und Frieden“ oder, zeitgenössisch möbliert, in Thomas Pynchons „Mason & Dixon“.

Noch sollen sich Bücherläuse einer Untersuchung der North Carolina State University zufolge in den allermeisten Haushalten tummeln. Das ist freilich kein Alleinstellungsmerkmal: In mehr als 550 untersuchten Räumen haben die Wissenschaftler insgesamt 579 Spezies gefunden: diverseste Fliegen, Käfer, Ameisen, Spinnen, Milben, Motten. Und Bücherläuse eben.

Die Forscher versichern, es sei völlig normal, dass der Mensch, auch der Bücherwurm, nicht alleine wohne. Ja, vielleicht ist er sogar ein sehr angenehmer Vermieter, weil er eher liest als in allen Ecken staubsaugt und feudelt.

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