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Verlust

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Von: Michael Hesse

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Ein Skulptur, die den Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel darstellt von Daniel Stocker aus dem Jahr 1905 steht auf einem Sockel an der Fassade des Stuttgarter Rathauses.
Ein Skulptur, die den Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel darstellt von Daniel Stocker aus dem Jahr 1905 steht auf einem Sockel an der Fassade des Stuttgarter Rathauses. © dpa/(Archvibild)

Die Magazine für Philosophie sterben aus.

Es ist Krisenzeit. Und ausgerechnet die Philosophie ist nicht mehr gefragt? In der Tat, es sind merkwürdige Zeiten. Der Philosoph Hegel war sich dessen bewusst, dass seine Profession in Dellenphasen, wie wir sie gerade erleben, stets mit ihrer Analyse hinterherhinke. Umso wichtiger erschien aber doch ihr Urteil. Einige würden sogar sagen, dass große Philosophie eigentlich ja nur wegen der Krisen ihrer Zeit entstanden sei oder habe entstehen können. Gewiss, man wird hier an Platon oder auch Aristoteles denken, jene beiden aus der Antike stammenden Götter der Weisheit, die auf eine darniedergehende politische Landschaft blickten und mit ihren Theorien dagegenhalten wollten. Oder Leibniz, der mit unbändigem Optimismus aus den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs emporsprang. Auch an Kant sei erinnert, dessen Freiheitstheorien die absolutistische Staatenwelt unterspülten.

Und auch heute ist die politische Luft wieder einmal dünn. Womit wir beim Thema, nämlich bei dem Magazin „Hohe Luft“ wären. Das ist bekanntlich eingestellt worden, wir meldeten es in unserer Samstagsausgabe. Und damit verabschiedet sich in kürzester Zeit das zweite relevante philosophisch ausgerichtete Magazin vom Markt. Erst verschwand „Information Philosophie“; der Herausgeber Peter Moser hatte sich aufs verdiente Altenteil zurückgezogen. Nun das Magazin aus Hamburg. Bleibt noch das „Philosophie Magazin“, das als Einziges das Fähnlein der Weltweisheitslehren schwenkt.

Viele werden den Verlust bedauern. Denn das Magazin „Hohe Luft“ setzte nicht nur einfach andere Akzente als das in Berlin ansässige Konkurrenzmedium. Es hatte vielleicht, ja ganz sicher durch den Chefredakteur Thomas Vasek, aber auch Philosophen wie Tobias Hürter (Verfasser des lesenswerten Buches „Zeitalter der Unschärfe“) einer Richtung der Philosophie Raum gegeben, die kurioserweise gerade in Deutschland Ablehnung erfährt: Die Rede ist von der sogenannten analytischen Philosophie. „Sogenannt“, da nicht klar ist, ob es sich hier um ein einheitliches Denkphänomen handelt. Die Richtung ist vor einigen Jahrzehnten von Amerika zurück nach Deutschland geschwappt. Dorthin hatte es viele ihrer wichtigsten Vordenker auf der Flucht vor den Nazis verschlagen. Ihre Nachfolger waren in der „Hohen Luft“ zu lesen. Was bleibt zu sagen? Es war ein Gewinn! Und: welch ein Verlust!

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