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Die Marsmännchen sind wahrscheinlich entsetzt über das üble Halblangzeitgedächtnis der Menschen.
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Die Marsmännchen sind wahrscheinlich entsetzt über das üble Halblangzeitgedächtnis der Menschen.

Times mager

Verlogene und doch richtige Verschiebungen

Nicht zum ersten Mal wird wegen aktueller Ereignisse ein Tatort am Neujahrstag verschoben. Was ist davon zu halten?

Wäre jetzt wieder das Marsmännchen zu Gast auf Erden, müsste es aus der neuerlichen Stippvisite schließen, dass die Menschen ein übles Halblangzeitgedächtnis haben, oder?

Damals, als sie am Abend des 11. September 2001 weinend vor den Fernsehern saßen und anfingen, darüber nachzudenken, was passiert war, wurde dem einen oder anderen klar, dass die Zeit des Katastrophenfilms vorbei sein musste. So stand es auch zu lesen und wurde über einem Glas Bier diskutiert: Uneinholbar sei das reale Bild und sein Schrecken ab jetzt der Fiktion voraus, jeder Versuch einer Nachbebilderung unsinnig, geschmacklos und schändlich. Verschoben wurden der Actionthriller „Collateral Damage“ (Anschlag auf US-Botschaft), die Komödie „Big Trouble“ (Bombe in Flugzeug), die Romanze „Sidewalks in New York“ (frohe New Yorker) und ferner eine „Spiderman“-Vorschau (Spinnennetz zwischen den WTC-Türmen).

Später hieß es, zumindest die Anschläge selbst könnten niemals verfilmt werden. 2006 kam dann „Flug 93“ heraus, wenige Wochen später Oliver Stones „World Trade Center“. Und so weiter.

Es gäbe weitere Beispiele: Erst die Verschiebungen, dann die Verfilmungen. Im Internet wimmelt es von Listen.

Diesmal betrifft es den Neujahrs-Tatort „Sturm“ (WDR), in dem ein islamistischer Selbstmordattentäter vorkommt. Die Ausstrahlung wurde nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt erst diskutiert, dann doch verschoben. Einige finden das doof. Reden wir aber nicht über das kalte und nicht sehr helle Argument, man wolle sich von Terroristen nicht den Verlauf des Tatort-Abends diktieren lassen (so Til Schweiger 2015, als sein Ballerei-Doppel-Tatort etwas warten musste). Reden wir lieber darüber, dass die Verschiebung so verlogen und doch richtig ist, dass man als Mensch nur über sich staunen kann. Das ist der Grund dafür, sich für die Ansichten des Marsmännchens zu interessieren.

Es kommen zusammen: viel und wenig Fantasie, Vernunft und Unlogik, Zartgefühl und Rücksichtslosigkeit. Denn schon am 29. Januar ist es offenbar wieder auszuhalten und die vielbeschworene Rücksicht auf die Opfer nicht mehr erforderlich. Und auch am 1. Januar soll keiner auf den Tatort verzichten müssen. „Väter und Söhne“ heißt er und kommt vom SR. Ein Lehrer ist tot, ein Schüler stirbt. Sind überall Schulferien, kann nichts passieren.

Die Grenze zwischen Realität und Fiktion soll erst übersprungen, dann wieder sauber gezogen, dann bald wieder übersprungen werden. Das stimmt, das ist wirklich so. Der Mensch ist, wenn er so ist, ganz bei sich selbst.

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