1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Verfolgung

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stephan Hebel

Kommentare

Denise Herrmann auf der Strecke in Zhangjiakou während der Biathlon Verfolgung.
Denise Herrmann auf der Strecke in Zhangjiakou während der Biathlon Verfolgung. © Hendrik Schmidt/dpa

Gestaltet sich auch Ihr Leben als täglich neu beginnende Verfolgungsjagd?

Wenn Sie halbwegs auf der Höhe der Zeit sind, gestaltet sich Ihr Leben als täglich neu beginnende Verfolgungsjagd. Morgens verfolgen Sie gebannt die Zeitlupenbewegungen Ihrer verschlafenen Kinder und anschließend bis zum frühen Abend eine anspruchsvolle Agenda. Nach dem Essen verfolgen Sie zunächst die „Tagesschau“ und dann einen Film, in dem wiederum jemand einen Mörder verfolgt, allerdings mit Erfolg.

Dann gehen Sie ins Bett und überlegen, welche Ziele Sie eigentlich wirklich verfolgen, aber irgendwie hauen die Ziele immer ab, bevor Sie sie erreichen, und die ganze Verfolgerei verfolgt Sie bis in Ihre Träume. Und wenn Sie Urlaubspläne verfolgen, stopfen Sie die Tage mit allen möglichen Aktivitäten so voll, dass Sie nie das Gefühl verlieren, eine Agenda zu verfolgen. Man muss das nicht mögen, aber Dabeisein ist ja offensichtlich alles.

Manchmal, gerade zu olympischen Zeiten, kommt im Fernsehen eine Sportart beziehungsweise Untersportart mit dem schönen Namen „Verfolgung“. Das ist eine Variante des Biathlons, gehört also zu den Wettbewerben, bei denen Menschen mit Gewehr auf dem Rücken sehr schnell Ski fahren, um dann auf Ziele zu schießen, die sie möglichst nicht verfolgen, sondern am besten treffen sollen.

Zur Geschichte des Biathlon-Sports ist kurz anzumerken: „Bereits zu Beginn der Wikingerzeit verteidigten sich die Ureinwohner Nordnorwegens erfolgreich auf Skiern gegen Wikingereinfälle“ (Wikipedia). Welche schlauen Einfälle das waren, ist nicht bekannt, aber Sie merken: Das Thema „Verfolgung“ klingt hier schon ein bisschen an.

Beim Biathlon geht „Verfolgung“ folgendermaßen: Die Teilnehmenden starten so, wie sie bei einem vorher ausgetragenen Wettkampf ins Ziel gekommen sind. Zuerst fährt der Sieger oder die Siegerin los, dann der oder die Zweite mit dem Abstand, den er oder sie im vorherigen Rennen hatte und so weiter. Die Menschen verfolgen das im Fernsehen sehr gern, auch jetzt bei den Olympischen Winterspielen in China, wo zwar das Verfolgen durchaus seinen Platz in der politischen Kultur einnimmt, aber von großen Biathlon-Erfolgen der Einheimischen bisher wenig zu hören war.

Um ein Missverständnis dürfte es sich bei der Ankündigung handeln, die jüngst vor den olympischen Biathlon-Wettbewerben in der Zeitung stand: „Am Sonntag geht es um 3.15 Uhr mit dem Riesenslalom der Männer los. Danach ist Frühstück angesagt, bevor die Biathleten um 10 Uhr mit der Verfolgung der Frauen … auf Medaillenjagd gehen.“

Nur um das klarzustellen: Nein, männliche Biathleten bekommen keine Medaillen für die Verfolgung von Frauen. Auch in China nicht.

Auch interessant

Kommentare