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Mann mit Hörgerät? Mit Kopfhörer? Oder doch eher ein Spion?
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Mann mit Hörgerät? Mit Kopfhörer? Oder doch eher ein Spion?

Times Mager

Verdächtig

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Sind das wirklich alles ganz normale Menschen? Oder sind sie nur perfekt getarnt?

Die S-Bahn hat das Ziel „ET 423 Redesign“, aber zur Enttäuschung der Passagierin fährt sie dann doch nur auf altbekannter Strecke nach Frankfurt am Main, ein Frankfurt am Main zudem, dessen Stationen beim Blick aus dem Fenster nichts Ungewöhnliches an sich haben. Oder macht gerade das die Sache verdächtig, dass es von einem neuen Frankfurt-Design keine Spur gibt? Noch nicht einmal frisch gestrichen ist irgendwas, noch nicht einmal frisch gereinigt ist irgendwo.

Ein mittelalter Mann beugt sich auf der Suche nach Pfandflaschen über einen Abfallbehälter. Eine mittelalte Frau setzt sich und stellt ihre Einkaufstasche ab. Die Tasche kippt, die Frau bückt sich schnell. Ein junger Mann unterhält sich scheinbar mit der Luft, aber sicher hat er einen Knopf im Ohr. Aber nein, keinen immens wichtigen, sozusagen lebenswichtigen Agenten-Knopf wie sie zum Beispiel am Anfang des Bond-Films „Casino Royale“ verwendet werden. Auch legt der junge Mann an der Haltestelle Konstablerwache nicht, wie im Film ein unfähiger Bond-Mitarbeiter, den Finger auffällig ans Ohr, weil das kleine Teil locker sitzt. Er sieht sich nicht diskret um, er steigt noch nicht einmal eilig zu. Man könnte ihn tatsächlich für unverdächtig halten. Andererseits: welch raffinierte Tarnung, so als ganz normaler ÖPNV-Telefonierer.

Zugestiegen ist indessen ein älterer Mann. Er wählt und seufzt verärgert. Beziehungsweise lässt das Smartphone wählen und seufzt trotzdem verärgert, weil es ihm keine Verbindung verschafft. Dann ist die Verbindung hergestellt. Er sagt: Hallo. Er sagt: Ist die asiatische Dame da? Die Frage wird offenbar verneint. Er schweigt einen Moment und fügt an, dass er im Moment in der Nähe sei, da habe er gedacht ... Die Frage wird offenbar erneut verneint, entschiedener. Er schweigt einen Moment. Ist sie später da? ... Wer? ... Na, die asiatische Dame. Das bringt ihn auch nicht weiter.

Die Lauscherin aber spitzt die Ohren nun doppelt ohne dabei auszusehen, als spitze sie die Ohren. Sie findet den Mann verdächtig – aber wessen genau? Und wäre es unverdächtiger gewesen, er hätte nach Maylin, Thao, Ananda oder Sunita gefragt?

Einen Tag später begegnet einem beim Spazierengehen eine freundlich grüßende Pilzsucherin. Aber gerade noch hat sie ein Tuch über ihren Korb gebreitet; es kam einem so vor, mit doch beträchtlicher, ja unerklärlicher Hast, als sie einen sah. Die Tuchecken hat sie dabei reingesteckt, sieht man, hat riskiert, dass die empfindlichen Pilze gedrückt werden. Nun, wenn das nicht sehr verdächtig ist.

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