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Lewis Capaldi  bei den Brit Awards.

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Unterirdisches von den Brit Awards und aus noch weit geheimnisvolleren Tiefen.

Drei Minuten Brit Awards im Fernsehen haben am späten Dienstagabend vollauf ausgereicht, um sich alt wie Methusalem zu fühlen, zugleich aber den Eindruck zu gewinnen, dass die Infantilität englischer Popstars auch nicht direkt in eine frische Zukunft weist. Pech vermutlich, dass sich Lewis Capaldi gerade komplett hysterisch für einen Preis bedankte. Passenderweise drehte sich einen Sender weiter eine Dokumentation um die Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate, Katars und Kuwaits, die extrem hohe Häuser bauen und extrem fleißig in Sportereignisse investieren (wie wir alle schmerzlich kapiert haben). Jetzt sagte ein Experte, dass das ganz Höher und Größer der Scheichs auch etwas Infantiles habe. Was zwar stimmt. Aber es stellte sich auch die Frage, was die effizientere Infantilität ist: mittelmäßige Witze über seine Großmutter zu machen oder besonders hohe Gebäude zu bauen. Und während man dies hinschrieb, war es schon keine rhetorische Frage mehr, sondern eine ernsthafte. Zumal Lewis Capaldi, auch wenn es nicht zu glauben ist, sein ordentliches Auskommen findet mit dem, was er tut.

Zusammenhänge wie immer also überall, aber sie zeigen sich selten so mysteriös und doch öffentlich wie jetzt beim Ringfund vom finnischen Kaarina. Hier war ein Mann mit Metalldetektor in einem Park unterwegs und fand ihn. Kaarina ist sehr weit weg von Maine in den USA – sicherheitshalber legen wir uns hier nicht auf eine Kilometerzahl fest –, wo der betreffende Ring vor 47 Jahren verloren ging. Er ist persönlich gestaltet mit Jahreszahl, dem Namen einer Highschool und Initialen, so dass der Finder und seine neugierigen Helfer Kontakt aufnehmen konnten. Im Grunde genommen handelt es sich um ein ziemliches Scheusal von einem Ring, aber die Besitzerin hatte ihn von lieber, von liebster Hand erhalten.

In einem Geschäft verlor sie ihn nachher, heißt es. Was mag dann passiert sein? Vermutlich nahm ihn halt eine ungezogene finnische Touristin mit, werden Sie jetzt sagen. Aber viel schöner wäre es, wenn der Ring in den Untergrund gefallen wäre und sich dort wie von ungefähr immer weiter fort geschuckelt hätte, durch Erdmassen und durch Gewässer, den ganzen weiten Weg.

Dass so etwas möglich sein könnte, wissen wir auch nur aus der Literatur. Das Unterirdische und seine Bewegungen spielt zum Beispiel bei Georg Klein („Roman unserer Kindheit“!) eine bezaubernd-bedrohliche Rolle. Klein übrigens, dessen letzter Roman schon 2018 erschienen ist („Miakro“!), guckt hoffentlich nicht die ganze Zeit Augsburg-Spiele, sondern schreibt fleißig. Wie man sieht, bringt es ohnehin nichts, so viel Fernsehen zu schauen.

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