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Wie kommt man mit dem Bus vom Hauptbahnhof zum Zug?
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Wie kommt man mit dem Bus vom Hauptbahnhof zum Zug?

Times mager

Unterwegs

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Wie kommt man mit dem Bus vom Hauptbahnhof zum Zug? Und was ist das überhaupt für eine Frage?

Es gibt also ein großes, ein sehr großes Verkehrsproblem in der Heimatstadt. Die FR berichtete ausführlich, aber jetzt berichtet sie eben noch einmal. Das ist die Macht der Presse, die aber auch bloß mit Macht zusammengepresst wird, kann ich Ihnen sagen, in einem Bus der Linie 6, in dem am frühen, am sehr frühen Morgen höchstens HA-Regeln und bei der nächsten Kurve nur mehr A-Regeln eingehalten werden können.

Die Linie 6, aktuell übrigens streikreduziert, gehört zu den wenigen Verbindungen, die noch zwischen dem Hauptbahnhof und dem Zugverkehr bestehen. Man muss mit einem Bus vom Hauptbahnhof zu den Zügen fahren? Jep. Bis auf weiteres.

Einerseits ist das Publikum besonnen, andererseits sind die üblichen städtischen Verrückten an Bord, diesmal der singende Mann im FC-Bayern-Shirt und die plappernde Frau, die von der Angst vor Ansteckung besessen ist. Die Jugend behält die Nerven, es ist bewunderungswürdig und den wenigen Älteren ein Vorbild. Jetzt steht der Bus mit allen anderen im Stau. Neben dem Bus joggt ein Sportlicher, jetzt ist der Bus vorbei, jetzt ist der Sportliche wieder vorbei, aber jetzt ist der Bus wirklich vorbei, aber jetzt steht er so lange an der Ecke, dass dort drüben wieder der Sportliche auftaucht. Auf dem Bürgersteig ist ein Kind hingefallen und schreit wie am Spieß. Als der Bus wieder anfährt, ist die Wunde verheilt.

Dafür flüstert nun ein Knabe folgenden Satz ins Telefon: „Ich bin pünktlich, wenn alles normal läuft.“ Da nicht alles normal läuft – DAS IST JA DAS PROBLEM –, handelt es sich hier offenbar um den ewig gegenwärtigen Fußballerkonjunktiv, von dem wir in diesen Tagen mehr als genug hören. Das Prinzip ist einfach. „Wenn wir besser aufpassen, gehen die anderen nicht in Führung.“ Und: „Wenn wir besser aufpassen, gehen die anderen nicht gleich wieder in Führung.“ In der Tat braucht es keinen Konjunktiv, um solche Zusammenhänge zu vermitteln, die zu diesem Zeitpunkt ja allen noch glasklar und schmerzlich vor Augen stehen. Im Fernsehstudio wagte sich der Moderator dennoch vor mit der Wendung: „Es könnte Jogi Löws letztes Spiel gewesen sein.“ Die zugeschaltete Katrin Müller-Hohenstein korrigierte mit diskreter Eleganz, indem sie wie von ungefähr wiederholte: Ja, genau, „es hätte Jogi Löws letztes Spiel sein können“. Der Knabe im Bus hingegen: ein Hallodri, der eine Verspätung vorbereitet? Oder denkt er womöglich wirklich, es könnte noch klappen?

Natürlich fängt es dann auch an zu regnen, gerade so, dass man zwischen Bushaltestelle und Zug – recht gut erreichbar über einen Baustellenbereich – nass, sehr nass werden kann.

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