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Times Mager

Unterirdisch

Im Heiligenkalender lesen wir, dass aus der Leiche des Seligen Heinrich von Treviso Blut floss und keine Spur von Verwesung festzustellen war. Nur den Seligen bleibt der Weg allen Fleisches erspart. Von Judith von Sternburg

Heute ist der Tag des Seligen Heinrich von Treviso. Er zeichnete sich unter anderem durch verschärfte Selbstkasteiung aus und dadurch, dass er bei Regen nicht nass wurde. In Albert Christian Sellners "Immerwährendem Heiligenkalender" lesen wir außerdem, dass am 4. und 5. Tag nach seinem Tode "frisches, wohlriechendes Blut" aus der aufgebahrten Leiche floss und "trotz heißen Sommerwetters keine Spur von Verwesung festzustellen" war. Wahrlich sind es nur die Seligen, denen der Weg allen Fleisches erspart bleibt.

Anders erging es also jenen geräucherten Zitzen, Kalbslungen und sonstigen Innereien, welche der Schweizer Aktionskünstler Daniel Spoerri 1983 vergraben ließ. Es waren die Überreste eines Festmahls, zu welchem er nahe von Paris eingeladen hatte. Inklusive der Ausstattung verschwand dann das "Essen unter dem Rasen", so der Titel der Aktion. Die Ausgrabung, deren Ergebnisse im Herbst im Centre Pompidou zu sehen sein werden, leitete ein Archäologe. Die dpa zitiert ihn mit den Worten: "Es ist eine interessante und zugleich groteske Arbeit. Schade ist nur, dass wir schon wissen, was wir finden."

Das übersichtliche und in übersichtlichem Umfang beachtete Ende der seinerzeit gewiss aufsehenerregenden Aktion erinnert an die Fluxus-Einladung für ein tolles Abenteuer (war es eine Ballonfahrt?), die in den Achtzigern in Wiesbaden bei einer Aktion an die Besucher verteilt wurde. Lange lag sie im Schubfach, bis sie sich nach Art unorganischer Objekte in Luft auflöste. Im Jahre 2000 ungefähr hätten wir sie einlösen können. Aber das ist ja auch schon lange vorbei.

Weil es heute aber schon um das Fromme und das Unterirdische geht: In Ägypten ist jetzt eine Gruppe Islamisten damit gescheitert, eine Neuausgabe von "Tausendundeiner Nacht" zu verhindern. Grund waren die als zu freizügig empfundenen Passagen. Das ist das Niveau, auf dem die Iren einst Joyces´ "Ulysses" verdammten, mit dem sie nächste Woche am 16. Juni, dem Blooms-Day, wenigstens wieder einmal ein bisschen Geld verdienen können. Unterm Strich könnte man auch sagen: Alles ist vergänglich außer die sich bloß immer leicht verlagernde Blödheit.

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