+
James Watt kam auf den Trichter mit dem Dampf.

Times Mager

Unter Dampf

  • schließen

Die Dampfmaschine mit Kessel, Kolben und großem Rad hat praktisch alles verändert. Sogar die Sprache.

Er hat das Rad nicht neu erfunden, natürlich nicht, aus verschiedenen Gründen nicht. Denn was sich James Watt heute vor 250 Jahren patentieren ließ, arbeitete bereits vor sich hin, seitdem ein Thomas Newcomen 1712 die erste Dampfmaschine konstruiert hatte. Den Neugierigen erklärte der Erfinder das Ungetüm damit, dass durch Einspritzen von Wasser in einen mit Dampf gefüllten Zylinder ein Unterdruck erzeugte werde, so dass es zu einer heftigen, aber kontrollierbaren Reaktion komme. Was sich tat, musste man, später, keinem Kind groß erklären. Keinem Jungen, ok.

Der Mechanismus ist keine Hexerei, so dass es wiederum erstaunlich ist, dass es mehr als ein halbes Jahrhundert dauerte, bis auch James Watt auf den Trichter kam, sich seine Weiterentwicklung allerdings patentieren ließ, und weil die rein technischen Dinge, die Erfinder eines Tages unter die Leute bringen, immer auch ein wenig abstrakt bleiben, und auch wenn altkluge Kinder (Jungen) sie eines Tages perfekt erklären können, kam dennoch eine alternative Geschichte in Umlauf. Eine sicherlich schöne Geschichte.

Sie besagte, dass sich der begabte Watt eines Tages über das Verhalten eines Deckels auf einem Teekessel auf dem offenen Kamin gewundert habe, es bei der Verwunderung aber nicht bewenden ließ. Seine, wie es gelegentlich gerne genannt wurde, zündende Idee bestand darin, dass er dem Dampf etwas zutraute. Das hatte sicherlich auch schon Newcomen getan bei seiner atmosphärischen Dampfmaschine (sehr richtig, setzen!), doch es war Watt, der von der Technikgeschichte gewissermaßen zum Newcomer erklärt wurde, weil er mit seinem Gerät einen wesentlich höheren Wirkungsgrad erzielte. Einen Wirkungsgrad von wie viel Prozent? Drei Prozent. Und was hatte Newcomen vorzuweisen? Nullkommafünfetwas Prozent. Einfach zu wenig, setzen!

Die Dampfmaschine mit Kessel, Kolben und großem Rad hat praktisch alles verändert, anfangs die Verhältnisse im Bergbau, später, Watt sollte das nicht mehr erleben, das industrielle Fabrikleben. Das Ding machte Dampf, setzte unter Dampf, was geschah, wurde sprichwörtlich. Watt hatte zusehen können, wie die ersten Dampfschiffe aufkamen, das Eisenbahnzeitalter hat er nicht mehr erlebt. Obwohl seine Weiterentwicklung für eine enorme (unfassbare!) Leistungssteigerung sorgte, setzte die Beschleunigung aller Lebens- und Arbeitsverhältnisse erst nach seinem Tod ein. Watt war wohl kein Zauderer, aber offenbar doch ein Mann der Überlegung.

Nachdenken trieb ihn dazu an, zeitlebens Abstand von einer Hochdruck-Dampfmaschine zu nehmen, der Explosionsgefahr wegen. Den Hochdruck, mit dem das Industriezeitalter sich ab den 1830er Jahren explosionsartig entwickelte, geht dennoch auf einen Tüftler zurück, dem nichts weniger gelang, als am ganz großen Rad zu drehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion