+
Laut Umberto Eco kann man mit dem „Sieb des Eratosthenes“ die Primzahlen ermitteln.

Times mager

Unteilbar

  • schließen

Vielleicht nicht im Jahr 2016, aber im Reich der Primzahlen gibt es noch handfeste Überraschungen. 2017 ist eine solche.

Trotz ausführlicher Kommentare zum Jahreswechsel (auch an dieser Stelle) ist kritisch festzuhalten: Dass 2017 eine Primzahl ist, wurde durchweg verschwiegen. Aber was bedeutet es für ein Jahr, wenn es nur durch eins und sich selbst teilbar ist und sonst vollkommen unteilbar? Die Antwort kurz vorweg: nichts.

In Österreich ist das offensichtlich anders, wie die „Salzburger Nachrichten“ melden: „2017 reiht sich in die Liste der Primzahl-Jahre ein, und in denen war politisch immer etwas los: 1999 begann die schwarz-blaue Wende, 2003 scheiterten die schwarz-grünen Regierungsverhandlungen, 2011 trat Josef Pröll zurück. Was wird 2017 bringen?“ Na, ein Ereignis wird sich schon finden, und mehr braucht es nicht in einem Jahr, das fast nur durch eins teilbar ist.

Für 2016 zählen die „Salzburger Nachrichten“ dagegen zahlreiche Ereignisse auf („ein Dreiwahl- und Vierwahlterminejahr“), aber das reicht offensichtlich nicht für die Diagnose „etwas los“. Nicht in einem Jahr, das man sowohl durch drei als auch durch vier teilen kann (macht pro Wahl 672, pro Wahltermin 504, während der Rücktritt von „Josef Pröll“ ein ganzes 2011 erfüllte).

Aber warum, um nur ein Beispiel zu nennen, nehmen wir den blauen Teller wichtiger als die Primzahl? Weil die Primzahl nicht schlank macht, was wir allerdings beim blauen Teller auch nicht so genau wissen? „Wenn man von blauen Tellern isst, wird man schlank“ (schlank.net), aber: „Wer abnehmen will, sollte von roten Tellern essen“ (faz.net).

Egal. Laut Umberto Eco kann man mit dem „Sieb des Eratosthenes“ die Primzahlen ermitteln. „Der Haken bei der Sache“, fügte Eco hinzu: „Wenn man nur eine Zahl pro Sekunde ausspricht (und zwar 24 Stunden lang pro Tag), braucht man etwa 33 Jahre, um bis zur Milliarde zu zählen.“ Und hat, hundemüde, noch keine einzige Primzahl herausgesiebt.

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete immerhin 2016, dass es zwar nicht in Österreich, aber „im Reich der Primzahlen“ sogar „noch handfeste Überraschungen gibt“, nämlich: „Zumindest für die ersten Billionen Primzahlen gilt: Ihre letzte Ziffer ist kein Zufall.“ Aber was schließen wir daraus? Wie gesagt: nichts.

Eco resümierte: „Entweder entspricht ihre Folge einer festen Regel – wir kennen sie nicht, aber Gott schon, und somit wäre alles in Ordnung, zumindest für Gott; oder die Primzahlen treten rein zufällig auf, dann würde Gott vor dem Zufall stehen und wäre das Ergebnis des Zufalls bzw. dessen nicht allmächtiges Opfer (bzw. Gott und der Zufall wären dasselbe).“ Das wäre interessant, aber Umberto Eco ist 2016 gestorben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion