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Der Aufenthalt in der Frankfurter Altstadt soll der Beruhigung dienen.
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Der Aufenthalt in der Frankfurter Altstadt soll der Beruhigung dienen.

Times mager

Unruhe

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Zur Ära der Altstädte gehörte die Ruhelosigkeit. In Frankfurts Altstadt soll es dagegen zu einer inneren Einkehr kommen.

Immer schon war es so, dass Menschen, aus welchem Grund auch immer, morgens in die Stadt gingen. Sie mussten, wem auch immer, nicht sagen, dass sie sich in die Altstadt aufmachten, um den ganzen Tag über in ihr zu verschwinden. Auf welche Weise auch immer, wie auch immer, warum auch immer.

Das lassen wir hier einfach mal so stehen. Denn Altstädte hatten ihre Geheimnisse, und das eine oder andere hat sich bis heute nicht entschlüsseln lassen. Hinnehmen lässt sich das Ungewisse nicht so gut – man möchte es halt nicht auf sich beruhen lassen, wo doch der Mensch nicht für die Ruhe gemacht ist, jedenfalls nicht ständig.

Denn gerade der städtische Mensch ist ein Unruhewesen. Dem Städter wird die Unruhe praktisch in die Wiege gelegt. So war es von Anfang an, seit Gründung der ersten Städte hat sich die Unruhe im Laufe der Entwicklung der Städte regelrecht gemacht, und so war es auch nicht anders während eines weiteren Stadiums der Städte, zu Altstadtzeiten. Wann genau auch immer diese historisch auf den Plan traten - zur Ära der Altstädte gehörte die Unruhe. Sie waren ein Ort der Ruhelosigkeit. Und was heißt in diesem Zusammenhang schon Ort, sie waren immer schon ein Unruhestandort. 

Jetzt aber Folgendes. Denn wer eines Tages in Frankfurts Altstadt geht, tut dies nicht, um in ihr die Unruhe zu suchen, im Gegenteil, vielmehr soll der Aufenthalt der Beruhigung dienen, so ist es versprochen. Man kann sich das heute schon folgendermaßen vorstellen: Die Altstadt betretend, soll man auf ihrer Schwelle praktisch die Tür zu der Stadt Frankfurt hinter sich zumachen können. In Frankfurts Altstadt soll es zum Verweilen kommen, zwischen den Fassaden nicht nur zu einer Einkehr in eine nagelneue Altstadt, sondern zu einer inneren Einkehr. 

Frankfurts zukünftige Altstadt soll, gemessen an Altstädten alter Art, nicht mehr wiederzukennen sein. Anstelle der ganzen Geschäftigkeit während der Ära der Altstädte, soll dem Beschaulichen ein Plätzchen eingeräumt werden. Nach vormaliger Holzschnittart veranschaulicht: einstmals Unruhe, Unruhe pur – zukünftig Ruhe, die Ruhe selbst. 

Das aber bedeutet, dass die der Stadt Frankfurt bevorstehende Altstadt damit fertigwerden muss, dass sie das reine Gegenteil von einem Unruhestandort sein soll. Sie wird mit diesem Altstadtantagonismus leben müssen. Dieser Widerspruch lastet heute bereits auf dem Frankfurter Altstadtprojekt. Vieles deutet darauf hin, dass man eines Tages von dem unheimlichen Projekt der verqueren Frankfurter Altstadtmoderne sprechen wird. 

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