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Der Teufel steckt in den Kinderschuhen.
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Der Teufel steckt in den Kinderschuhen.

Times mager

Unpaar

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Große Sentenzen lassen sich gut in der Alltagsliteratur unterbringen. Der Teufel steckt aber im Detail.

Das mag jetzt übertrieben sein, aber es gibt Zeitungsartikel, die sorgen dafür, dass selbst die größten Dichter (Goethe, Schiller, Volksmund) sich im Grabe herumdrehen müssen, weil ihre mühsam erdachten Sentenzen den Weg in die Alltagsliteratur gefunden haben. Das folgende Beispiel muss zwar aus Zeitgründen erfunden werden, was allerdings an seiner Repräsentativität für bestimmte Stilformen des semi- oder auch professionellen Journalismus nichts ändert.

Das Beispiel könnte also in etwa folgendermaßen gehen: Am kommenden Samstag lädt die hiesige Filiale zum Frühlingsfest für Groß und Klein. Frühaufsteher, hergehört! Es gibt zahlreiche Sonderangebote und Preisausschreiben, deshalb gilt hier und heute ganz besonders: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Allerdings: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, denn zum großen Finale hat sich der Landrat angesagt, und wer einen Blick auf ihn erhaschen will, sollte sich rechtzeitig am Eingang aufstellen, denn durch diese hohle Gasse muss er kommen.

Vorstellbar natürlich auch der Hinweis auf einen Bastelnachmittag: Wer zuerst kommt, ma(h)lt zuerst, aber nur mit Geduld und Spucke fängt man eine Mucke, und auch beim Basteln gilt schließlich: Steter Tropfen höhlt den Stein. Andererseits sollte niemand allzu lange zögern nach dem Motto „Verweile doch, es ist so schön“, vielmehr gilt: Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen, denn heute soll die Glocke werden, aber der Teufel steckt im Detail und die Glocke noch in den Kinderschuhen.

Was Sie bisher nicht wissen konnten: Der ganze Unsinn diente nur der Einleitung zu einer Geschichte, die die Kollegin N. jüngst erlebt haben will, und zwar beim Kauf von – na? – Kinderschuhen. Auf beiden, dem rechten und dem linken, klebte, so N., ein Zettelchen mit Größe 28, aber Kollegin N., nicht blöd, stellte kurz vor der Kasse fest: Die Schuhe waren unterschiedlich groß. Worauf die Kassiererin ihrer Kollegin in etwa folgendes zurief: Frollen Karadakis, komma her, ich hab hier ein Unpaar.

Ein Unpaar! Haben Sie das schon mal gehört, und zwar jetzt nicht auf Partys und bezogen auf frisch verliebte Ex-Freunde, sondern auf Schuhe? Was für ein schönes Wort, auch wenn es – traurig – in sich die Harmonie der Spiegelgleichheit, die ein Paar Schuhe auszeichnet, negiert!

Den zweiten 28er gab es nicht mehr, es muss ein zweites Unpaar verkauft worden sein. Irgendwo torkelt nun ein Kind in Schräglage herum, und wenn es das schon kann, wird es denken: Der Teufel steckt in den Kinderschuhen.

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