1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Unkaputtbar

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Judith von Sternburg

Kommentare

Cola-Flaschen: unkaputtbar.
Cola-Flaschen: unkaputtbar. © Imago

Was ist das bloß für ein Wort? Man kann sich streiten, ob das so geht, aber in den USA ist es schon angekommen.

Die „New York Times“ lässt erfrischenderweise elektronisch nachverfolgen, wenn ein Wort erstmals in der Zeitung Verwendung findet. Jetzt ging es um „unkaputtbar“, von dem deutschen Künstler Wolfgang Tillmans im Vorabgespräch über seine in Kürze startende große New Yorker Ausstellung benutzt. Tillmans spricht von der Fragilität von Gegebenheiten (Gesellschaften, Demokratien), die man zuvor für „unkaputtbar“ gehalten habe. Der „Times“-Autor ist informiert und erläutert, das sei das deutsche Wort für „unbreakable“.

Es regte sich gleich Widerstand im Netz, denn „unkaputtbar“ sei schließlich falsches Deutsch. Wir verzichten hier auf die Wiedergabe der Verfluchungen und Wutausbrüche, die leidenschaftliche Zeitgenossen sowie Zeitgenossinnen in solchen Situationen (falsches Deutsch in einem Druckerzeugnis, und man hat’s gemerkt) reichlich auf Lager haben. Stattdessen machen wir uns auf der Seite grammis.ids-mannheim.de des Leibniz-Instituts für deutsche Sprache kundig und übernehmen gerne folgende Formulierung: „Noch nie vital war die Zusammensetzung von -bar mit Adjektiven. Etablierte Bildungen wie ,offenbar‘ sind absolute Ausnahmen.“ Entsprechend sei die einschlägige „unkaputtbare Cola-Flasche natürlich sofort aufgefallen“, wie von den zuständigen Kreativen auch gewünscht, so grammis.ids-mannheim.de weiter. Colas zweitgrößter Coup nach dem Weihnachtsmann? Jedenfalls: „1991 noch als Unwort des Jahres vorgeschlagen, ist ,unkaputtbar‘ inzwischen aber offenbar als besonders griffiger Begriff akzeptiert.“ Das kann man laut sagen, wie man früher sagte (als nicht eh alles laut war, vielleicht).

Denn während es eine unheimliche Vorstellung ist, dass Millionen begeistert die deutsche Sprache lernende US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner sich nun „unkaputtbar“ in ihre Vokabelheftchen schreiben, ist der Begriff selbst doch unwiderstehlich. Schon das Wort kaputt ist es, denken Sie an seine nationale und internationale Karriere von „Nutt, nutt, nutt is die Walze ooch kaputt“ (Claire Waldoff, Berlin) bis „Hitler kaputt“ (sowjet. Soldat, Berlin), denn das Wort lässt sich allgemein gut aussprechen.

In „unkaputtbar“, vom Duden inzwischen lakonisch als Werbesprache registriert und durchdekliniert, schwingt dazu eine ironische Lässigkeit mit, die ein Halb-so-Wild meinen kann, aber nicht meinen muss. Kaputter als kaputt kann etwas nicht sein, also ist unkaputtbar auch eine ganz besondere Stabilität. Tillmans nutzt das Leichtherzige, um etwas zu sagen, das die Herzen beschweren muss.

Die Faustregel dazu wäre: nur gegen Regeln verstoßen, die einem wohlbekannt sind. Klappt aber überhaupt nicht.

Auch interessant

Kommentare