Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Buchrezension würde doch auch ganz prima ohne wörtliche Zitate funktionieren.
+
Buchrezension würde doch auch ganz prima ohne wörtliche Zitate funktionieren.

Times mager

Ungeheuer gut

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
    schließen

Diese Glosse werden Sie nicht aus der Hand legen können!

Diese Glosse werden Sie nicht aus der Hand legen können“ (Fridolin Klebefix, Autor von „Göttliche Glossen und wie man sie schreibt“). „Zupackend, brutal und authentisch“ (A. C. Doyle, Autor von „Sonett-Krimis“, „Twitter-Krimis“ und „Haiku-Krimis“). „Einfach ein Meisterwerk“ (Karolin von Schnoddersfeld, achter Platz beim Schreibwettbewerb der Sparkasse Castrop-Rauxel).

„Tötet es. Begrabt es. Tanzt auf seinem Grab. Sie machen so viel Arbeit, emotionale Arbeit und Schuldgefühle, ob man nun eines schreibt oder um eines bittet.“ Damit hat der US-amerikanisch-vietnamesische Schriftsteller Viet Thanh Nguyen die Abschaffung der Zitate gefordert, mit denen sich Autorinnen und Autoren gegenseitig loben – englischsprachig „blurb“, das deutsche „Klappentext“ trifft es nicht. Auf seinem Roman „The Sympathizer“ prangt ein Lob aus dem britischen Guardian: „Ungeheuer lustig … ,The Sympathizer‘ hat mich daran erinnert, wie groß Bücher sein können“. Auf dem Umschlag der deutschen Ausgabe ist das „ZDF heute journal“ zitiert (wir wussten gar nicht, dass das „heute journal“ Bücher rezensiert, aber es mag damals den Pulitzer-Preis für Nguyen gemeldet haben) mit „Ein Spionagethriller der Extraklasse. Empfehlenswert!“. Nun ist „Extraklasse“ ein Wort wie „interessant“. Man verwendet es, wenn einem nichts Charakteristisches auffällt („lustig“ etwa) oder man offenlassen möchte, wie extra die Klasse tatsächlich ist. Das Buch könnte theoretisch auch im Fliegen- oder Bantamgewicht antreten.

Erfunden hat den Blurb angeblich der Verleger Walt Whitmans. Als der Dichter nach Veröffentlichung von „Leaves of Grass“ ein freundliches Briefchen von Ralph Waldo Emerson erhielt, ließ sein Verleger in Goldbuchstaben auf den Buchrücken der zweiten Auflage drucken: „Ich grüße Sie am Anfang einer großen Karriere. RW Emerson“. (Noch nicht drucken ließ er 1855: „Für Leserinnen und Leser von William Wordsworth, Lord Byron und Amanda Gorman“.)

Mit fünfzehn Romanen pro Tag werde man beschossen, klagte George Orwell, das war 1936, und mit dem „ekligen Schund“ der Blurb-Schreiber, nach deren Lob jeder dieser fünfzehn Romane ein „unvergessliches Meisterwerk“ sei, das zu verpassen „Ihre Seele gefährdet“.

Ganz so weit wollen wir nicht gehen. Auch wenn es unter Umständen Ihr Wohlbefinden schmälern, vielleicht gar Ihre Gesundheit gefährden kann, nicht jeden Tag ein Times mager zu lesen. Die entsprechenden wissenschaftlichen Studien, selbstverständlich sind es Doppelblindstudien, laufen derzeit. So dass wir hoffen, uns bald mit dem Blurb schmücken zu dürfen: „Die gesündesten Glossen aller Zeiten – exklusiv in Ihrer FR“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare