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Er kennt „das spezifische Dresdner Wir-Gefühl: Wir sind hier die Dummen, die Abgehängten“: Durs Grünbein.
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Er kennt „das spezifische Dresdner Wir-Gefühl: Wir sind hier die Dummen, die Abgehängten“: Durs Grünbein.

Times mager

Unbelehrbar

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Der Lyriker Durs Grünbein ist bestürzt vom „Sound der Unbelehrbarkeit, der Einschwörung und Einschüchterung“ in seiner Heimatstadt: Dresden.

Dresden hat zu einer Zeit, als die Fassaden der Stadt noch nicht so strahlten, wie sie das heute wieder tun, einige Schriftsteller hervorgebracht, die heute nicht nur als Gegenwartsautoren von Rang gelten. Obendrein tun sie gelegentlich, weil es notwendig ist, als engagierte Bürger Dienst, so in den letzten Wochen etwa Ingo Schulze. Er äußerte sich absolut klipp und klar über Pegida: „Für konservative und regierende Parteien sind Pegida-Demonstranten eine bequeme Opposition, denn die eigentlichen Fragen werden nicht gestellt. Pegida sind die nützlichen Idioten.“

Gestern hat sich auch Durs Grünbein in einem Beitrag für „Die Zeit“ geäußert, bei dem man sich an Texte erinnert, wonach der Dresdner Groll viel auch mit einer gepflegten Weltabgeschiedenheit Dresdens zu tun habe. Was für die stumme Erbitterung gilt, gilt für das lautstarke Ressentiment umso mehr, so Grünbein: „Seit der Schulzeit war mir die Denkweise dieser Starrköpfigen, von der Geschichte Frustrierten, geographisch in die Ecke Gestellten immer wieder begegnet. Das spezifische Dresdner Wir-Gefühl: Wir sind hier die Dummen, die Abgehängten.“ Bestürzt ist Grünbein vom „Sound der Unbelehrbarkeit, der Einschwörung und Einschüchterung“ in seiner Heimatstadt: „Es wundert mich nicht, dass es an der Elbe ausbrach, dies diffuse Gefühl der Bedrohung. Auch woanders schneiden Wirtschaftskrise, Europolitik, Glaubenskriege und Flüchtlingsströme in die Existenz. Aber nur in Dresden schlagen sie auch aufs Gemüt. Nur dort konnte Islamisierung zur Chiffre werden für alles, was den Kleinbürger heute bedroht, alles Fremde und Ungewohnte.“

Im Tal der Ahnungslosen?

Ob Dresden also doch weiterhin im „Tal der Ahnungslosen“ liegt? Wie zu DDR-Zeiten, als es trotz aller technischen Anstrengungen im privaten Kreis nicht möglich war, Westfernsehen oder Westrundfunk in den eigenen vier Wänden zu empfangen? Sehr gern ist in den letzten Wochen auf diese Ahnungslosigkeit angespielt worden in manchen Medien. Sind das anti-ostdeutsche Pöbeleien? Ist es Dresden-Mobbing, wenn man den Pegida-Marschierern entgegnet, dass ihr Missbrauch der Wende-Parole „Wir sind das Volk!“ von einer Ahnungslosigkeit zeugt, die nur noch zu vergleichen ist mit der Unwissenheit zu DDR-Zeiten, die eine unfreie Presse pflegte.

Dass Grünbein, einer der beeindruckendsten und vielseitigsten Essayisten der Republik, eine solche Lesart nicht ausschließt, könnte man für extrem unoriginell halten. Oder aber, denn es geht wohl nicht um Stilfragen, sondern um eine politische Einsicht, für unendlich bitter.

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