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Hat wirklich Heine die Legende um die schöne Loreley in die Welt gesetzt?
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Hat wirklich Heine die Legende um die schöne Loreley in die Welt gesetzt?

Times mager

Unbekannt

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Wie war das noch gleich mit Heinrich Heines "Loreley"-Gedicht in der Nazizeit? Eine Rekonstruktion in einem Zug.

Noch mal, sagt der Reisende B zum Reisenden A. Heines Behauptung vom Märchen aus alten Zeiten sei nachweislich falsch, eine der hübschen Loreleylegenden, so weit richtig?

Der Angesprochene, der IC-Reisende A nickt.

Und die Forschung, so B, rätsele, ob Heine die Legende willentlich in die Welt gesetzt habe oder eher nicht, obwohl er sich mit den Ursprüngen der Loreleysage anhand von Büchern bewusst auseinandergesetzt habe.

Richtig, sagt der Reisende A, so sei es durch Bücher bewiesen, die Heine wohl ausgeliehen habe.

Der IC 2022 ist gut in der Zeit, Boppard ist nicht mehr weit. Vor dem Großraumfenster lagert der Rhein wieder breiter. Also gut, weiter, sagt A. Doch B bittet: Noch mal, um es mir einfach besser merken zu können, sagt er. Nicht nur das Märchen aus alten Zeiten sei eine Erfindung, sondern auch die Behauptung, die Nazis hätten das Gedicht zwar verehrt, aber den Namen des Verfassers während er Nazizeit zensiert. Die ganze und immer wieder kolportierte Geschichte vom unbekannten Verfasser sei in Wirklichkeit bloß ein Gerücht? Da habe er ihn soeben richtig verstanden?

Nun, die Rekonstruktion von Aufgeschnapptem ist immer ein seltsames Abenteuer, wer wollte das besser beurteilen als ein Zugreisender. Denn könnte er jedes Wort, das er später wiedergibt, auch beschwören? Rasch wird aus der Rekonstruktion die Konstruktion, das ist oft ganz simpel, dieser Eigenwille der Wiedergabe, aber für manchen ist dieses Eigenleben der Nacherzählung kaum zu verstehen.

Eigentlich kaum zu glauben, schlägt sich B mit der flachen Hand vor die Stirn. Nein, er wolle es nicht glauben, dass das Gerücht von einer Exilzeitung in die Welt gesetzt worden sei. Richtig?

Nun ja, richtig, bestätigt A.

Dass die Nazis einerseits auf das als urdeutsch empfundene Gedicht in ihren Schulbüchern nicht verzichten wollten, es dort aber einem unbekannten Verfasser zugeschrieben wurde, weil Heine als Jude verfemt war.

Ja, so A, und macht dazu eine Miene, als wollte er sagen: Passt alles zusammen. Doch wegen des Gesichtsausdrucks meint B: Aber so war es nicht. Damit war, wenn er ihn, A, vorhin richtig verstanden habe, das Gerücht in der Welt und wurde zum festen Bestandteil der Heine-Überlieferung und des Heine-Gedenkens nach dem Krieg, auch bei Adorno, in seinem Essay „Die Wunde Heine“.

Ja, so A.

B: Und Heine-Forscher warteten, wenn er ihn, A, richtig verstanden habe, bis heute auf einen Beleg aus der Nazizeit.

A: Das sei ein wahres Wort.

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