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Der rastlose Paketbote steckt das Jahr 2020 auf den Dachboden hinter Onkel Waldemars „Röhrender Hirsch auf Waldlichtung“.
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Der rastlose Paketbote steckt das Jahr 2020 auf den Dachboden hinter Onkel Waldemars „Röhrender Hirsch auf Waldlichtung“.

Times mager

Umtausch

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Was, wenn man auf das gerade vergangene Jahr kleben würde: Retoure. Und zurück!

Eine solche oder ähnliche Geschichte kann wohl jede und jeder erzählen. Im Mai beim Schaufensterbummel eine Bemerkung fallengelassen, dass das Kanariengelb dieses Pullis so optimistisch wirkt – was packt man an Heiligabend, im Gesicht fahl werdend wie eine Pampelmuse, aus? Richtig. Im Juni ist einem vielleicht rausgerutscht, dass Helene Fischer gar nicht mal schlecht singt. Im Juli hat man laut überlegt, sich einmal ernsthaft mit der Relativitätstheorie beschäftigen zu wollen – wäre doch gelacht, wenn man sie bei entsprechender Lektüre nicht verstehen würde. Im August war man für gefühlt sieben Monate, in echt viereinhalb Tage auf dem Körperertüchtigungstrip, so dass die beste Freundin beim Weihnachtsgeschenkekauf denkt, so ein Schrittzähler müsse eine zusätzliche Ermutigung sein. Die Hochleistungs-Joggingschuhe hat man ja schon.

Immerhin weiß man bereits beim Auspacken: Umtausch nicht ausgeschlossen. Helene Fischer zum Beispiel gegen Taylor Swift. Oder Haftbefehl. „Relativitätstheorie für Dummies“ gegen „Quantenphysik für Vollidioten“. Kanariengelb gegen Trumporange. Und auch wenn die Geschäfte noch länger geschlossen bleiben: Der Paketbote hat über die Feiertage seinen Bandscheibenvorfall wenn nicht auskuriert, so doch so weit in den Griff bekommen, dass er Pakete unter 20 Kilogramm wieder schafft. Hoffnung keimt.

Aber was machen wir mit dem leidigen 2020? Nicht erinnern kann sich das Times mager an ein anderes Jahr, das es so dringend umzutauschen wünschte wie dieses – und es kann sich mittlerweile an einige erinnern, glauben Sie mir. Darunter manch eines, bei dem es ihm in den Fingern juckte, einen Aufkleber „Retoure“ oder „Annahme verweigert“ zu verwenden – wenn ihm nur klar gewesen wäre, wohin diese Jahresretoure geht. Es wollte sich nicht dem Vorwurf aussetzen, unsozial zu sein.

Auf den Mond vielleicht? Wo der Mann im Mond vor Ärger über die Rücksichtslosigkeit der Erdlinge ganz grün im Gesicht würde und Forscherinnen hierzuplanet also dächten, auf dem Mond gäbe es jetzt Marsmännchen? Ins nächstgelegene Schwarze Loch? Das sich übel verschlucken würde? Oder muss man davon ausgehen, dass der ratlose Paketbote das Jahr, das am Ende keiner gehabt haben will, in ein Fuchsloch steckt (und was kann der arme Fuchs dafür), auf dem Dachboden hinter Onkel Waldemars „Röhrender Hirsch auf Waldlichtung“ klemmt, im Keller hinters Weinregal schiebt, auf dass man sich das Jahr nachträglich wenigstens schöner getrunken hat, ehe man es, nicht nur infiziert, sondern nun auch noch verstaubt, wiederfindet. Verflixt.

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