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Die Wartburg.
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Die Wartburg.

Times mager

Uhu, uhu

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Noch einmal zurück zu den Ereignissen auf der Wartburg: Luther rückt den Anfechtungen des Teufels auch poetisch zu Leibe, und wie.

Wartburg, viel Stille. Zu ihr gehört die Einsamkeit. Denn das Zwiegespräch, das er in Briefen sucht, sei doch „sehr unersprießlich“, schreibt er an den Mitstreiter Melanchthon. Aber was will Luther machen? Also disputiert er brieflich.

Wartburg, weit geht der Blick über die Wipfel (und Gipfel) des Thüringer Waldes. Eng ist die Burgstube, das Fenster eher ein Fensterlein. Luther kann den Baumwipfeln sehr intensiv zusehen. Er kann sie auf sich wirken lassen. Oft muss der Einhäusige, der er ist, tief Luft holen. Denn die Behausung wird ihm eng. Um den Gedanken der Beengung, prekärer Raumverknappung ebenso wie heikler Einsperrung seines reformatorischen Tatendrangs abzuwenden, bezeichnet er die Wartburgweltferne auch als Patmos – benannt nach dem mutmaßlichen Schöpfungsort der Offenbarung des Johannes. Wenn Luther die griechische Insel, das Eiland in der Ägäis, auch auf seinem Wartburg-Atoll lebhaft vor Augen steht, ist das ein Trost, der den Reformator nur sporadisch erreicht.

Wartburg, der Blick aus der Lutherstube. Der Bewohner muss allerdings nicht nur weit abschweifen. Denn es ist nicht so, dass es nicht genug zu sehen gäbe. Aus den Baumwipfeln des Thüringer Waldes steigen Rauchsäulen auf, es sind die bläulichen Rauchzeichen der Köhler, die ihre Meiler recht langsam arbeiten lassen: „Der Rauch gehet über sich, macht sich eigenwillig in der Luft, tut, als wolle er die Sonne verblenden und den Himmel stürmen.“

Wartburg. Der Blick zum Fenster der Lutherstube hinaus macht den Insassen, während dieser sich seine Umwelt intensiv besieht, zum Poeten: „Kommt ein kleines Windlein, so verwebt sich und verschwindet der breitprächtige Rauch, dass niemand weiß, wo er geblieben. Also alle Feinde der Wahrheit haben’s groß im Sinne, tun greulich, zuletzt sind sie wie der Rauch wider den Himmel, der auch in ihm selb ohne Wind verschwindet.“

Immerhin mit Worten lässt sich tief Luft holen, in der Einsamkeit, in langen, schlaflosen Nächten, in der Stille. Luther disputiert schriftlich mit seinen Mitstreitern, der Ausstoß an Briefen ist immens; er wird legendär werden. Er disputiert in Gedanken mit dem Teufel. Die Anfechtungen, denen er sich ausgesetzt sieht, sind horrend; sie werden legendär werden. Immer wieder sind es die Gedanken, die ihm unendlich schwer werden: „Sie fliehen das Licht wie die Fleddermäuss, und wie die Nachtraben heulen sie uhu, uhu im Finstern, meinen uns damit zu schrecken.“

Luther quält sich. Er tut es auch poetisch.

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