Fussg‰ngerzone 12.06.2020 , Erfurt, Verkehrsschild Fussg‰ngerzone ist mit Draht gegen Tauben gesch¸tzt *** pedestrian zo
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Nicht besonders taubenfreundlich.

Times mager

Uh

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Sie sind den meisten Menschen nur noch lästig, aber das ist gemein. Denn wer hat sie denn arbeitslos gemacht?

Probleme, Probleme, Probleme. Hier kommen schon wieder welche geflogen: Tauben. Sie haben große Probleme. Uns.

Um dem Thema die angemessene Flughöhe zu verschaffen: Sicher gibt es schönere Ereignisse im Leben als eine Taube, die ihren Stoffwechsel final auf Kosten unserer Bluse und/oder unserer Frisur regelt. Eher unwillkommen sind auch Endresultate täubischer Nahrungsverwertung auf unseren Kraftfahrzeugen und Gartenstühlen. Wer Ohren hat zu hören, dem mag überdies der Gesang der Stadttauben einen der letzten Nerven rauben. Uuh uuh uh-uuh. Uh-uuh uuh uh-uuh. Uh-uuh uuh uh-uuh. Uh. Genau so. Immer.

Doch sollten wir dabei im Auge und im Ohr behalten: Die haben sich das nicht ausgesucht. Die sind nicht mit der Postkutsche in die Stadt gerattert, Riesenstaubwolke, und haben großschnäbelig gesagt: „Uh-uuuuh – diese Schneckenpost! Das Zustellwesen übernehmen wir jetzt mal. Im Flug.“

Nein, haben sie nicht. Es waren flügellose Zweibeiner, die sie schnappten und züchteten, um ihnen Botschaften dranzubinden und sie damit sonstwohin zu schicken. Dann verebbte das Interesse an schwebenden Briefboten, man überließ sie sich selbst, worauf sie unkontrolliert Küken bekamen und arbeitslos in der Öffentlichkeit herumlungerten. Man stelle sich vor, dasselbe wäre mit E-Mails passiert. Nicht auszudenken. Ach, doch. Nennt man Spam.

Gemein wäre jetzt, Tauben die Spam-Mails der Lüfte zu heißen, auch wenn es noch viel gemeinere Anwürfe gibt. So werden ihnen Verätzungen an Immobilien wie Mobilien zur Last gelegt, was einer wissenschaftlichen Überprüfung freilich nicht standhält.

Zur aktuellen Lage. In einer großen, von immer mehr Menschen und im Vergleich dazu eher wenigen Tauben bewohnten Stadt verkleidet man seit einiger Zeit Straßenbrücken von unten, damit dort keine Tauben mehr sitzen und den Leuten auf den Kopf, äh, spammen können. Man geht davon aus, dass die Tiere sich in Luft auflösen, wenn die Brücken untenherum dicht sind. Auch diese Annahme ist unzutreffend. In Ermangelung von Brücken sitzen die Tauben nun, wie eine taubenfreundlich eingestellte Organisation mitteilt, auf Balkonen und in Hinterhöfen der Umgebung. Die Anwohner sind mäßig begeistert.

Die Stadt wiederum hält nicht erkennbar viel von der Idee, mehr Taubenhäuser zu errichten, in denen die Flatterhaften ihre Eier legen und unbürokratisch gegen Gipsattrappen austauschen lassen könnten. Angenommen, jede Stadttaube hätte solch ein Zuhause. Dann gäbe es in fünf Jahren keine mehr. Uh-uuh.

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