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Armin Laschet (CDU) gibt seine Stimme ab.
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Armin Laschet (CDU) gibt seine Stimme ab.

Times mager

Überforderung

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Wie faltet man den Wahlzettel? Wie heißt der Premierminister von Australien? Politikern wird auch nichts geschenkt.

Nun ist es nicht so, dass jeder so frisch und frei mit dem Wahlgeheimnis umginge wie Unions-Spitzenkandidat Armin Laschet. Aber im Theater, wo es wieder voll wird und wo nicht alle so zügig den Ort verlassen, wie es der sonore Sprecher empfiehlt – nämlich gemäß den Abstandsregeln und den Anweisungen des Personals –, herrscht doch eine Neugier und eine Bereitschaft, nach dem Urnengang – nach dem Urnengang, Herr Laschet – von der getroffenen Entscheidung zu erzählen. Verklausuliert, denn jeder im Theater weiß doch, dass das Wahlgeheimnis ein Fundament der Demokratie ist, und mancher war neulich nebenan im Schauspiel ja dabei, als in Irmgard Keuns „Nach Mitternacht“ solche Fragen NS-behördlicherseits schamlos gestellt wurden. Wen man denn zuletzt gewählt habe. Um den Leuten Angst zu machen. Die Lektüre oder der Besuch von „Nach Mitternacht“ ist nützlich, um sich im Wahlraum und in der Welt zurechtzufinden.

Diesmal sei es ihm leicht gefallen zu wählen, was er ohnehin immer wähle, sagt nun also der Bekannte, und fast synchron sagt die Dame hinter uns, ihr Sohn habe sie zu dieser Entscheidung gezwungen. Denn die Leute stehen auch wieder nah genug beieinander, um Sätze zu verstehen, die nicht direkt an einen selbst gerichtet sind. Das erweitert den Horizont, diese aufregende Enge. Früher hätte man gesagt: nicht sehr voll heute.

Kürzlich erklärten ältere Herrschaften in geselliger Runde, sie hätten sich für das geringere Übel entschieden. Als geringeres Übel wird traditionell die FDP angesehen, eine für die FDP an sich grauslige Einschätzung, aber sie war nachts im Fernsehen trotzdem sehr froh. Auch bei den anderen beiden Beispielen musste niemand lange herumraten. Aber alle schauten total tolerant.

Auch die offenherzig und überhaupt herzig präsentierte Wahl von Armin Laschet stellte keine Überraschung dar. Was wäre das sonst für ein Hallo gewesen.

Es ist natürlich gemein, das Wahlgeheimnis zu bemühen, wenn es bloß um einen jener Momente der Überforderung geht, die wir doch alle kennen. Als US-Präsident Joe Biden jüngst in einem Video zur Verkündigung des historischen Aukus-Militärabkommens zwischen den USA, Großbritannien und Australien den Namen des australischen Premiers nicht zu Hand hatte, rettete er sich spontan in die Umschreibung „Thank you, Boris (Johnson, d. Red.), and I want to thank that fellow down under“ – und er wolle auch diesem Burschen von da unten danken.

Jetzt werden Sie sich fragen, wie der Premierminister von Australien noch gleich heißt. Vielleicht fragen Sie sich sogar, wie Sie selbst diesmal den Wahlzettel geklappt haben. Aber das ist nicht der Punkt.

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