Symbol der Demokratie und Apfel des Zanks: die Paulskirche in Frankfurt am Main.
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Symbol der Demokratie und Apfel des Zanks: die Paulskirche in Frankfurt am Main.

Times mager

Überdruss

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
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Die Frage über die Zukunft der Paulskirche wird offenbar nicht als ein demokratischer Willensbildungsprozess betrachtet, sondern als der gelebte Unwille an einem gemeinsamen Vorgehen.

Offenbar können sich einige Protagonisten die von ihnen bestrittene Paulskirchendebatte nur so vorstellen, dass sie nicht miteinander sprechen. Sie reden also übereinander, und das geschieht dann so, dass die unfreundliche Absicht unmittelbar deutlich wird, ja, sie wird regelrecht transparent! Übereinander reden Frankfurts Oberbürgermeister und der Baudezernent oder der Bürgermeister und der Oberbürgermeister. Möchten die Beteiligten mutmaßlich nur noch wenig miteinander zu tun haben?

Jedenfalls geht das aus den Worten des Bürgermeisters, Uwe Becker, CDU, hervor, wenn dieser über den Oberbürgermeister, Peter Feldmann, SPD, sagt, dieser produziere „einen Murks nach dem anderen“. Wiederum Feldmann rügt den Baudezernenten, Jan Schneider, CDU, weil ihn „der neue Zeitablauf für die Sanierung der Paulskirche“, wofür Schneider verantwortlich ist, „überhaupt nicht gefreut“ habe. Man hält nicht viel voneinander, und man macht daraus auch keinen Hehl. Man redet übereinander, denn der Überdruss soll unbedingt deutlich werden.

Für eine ernsthaft geführte Diskussion über die Paulskirche sind das natürlich denkbar miserable Begleiterscheinungen, womöglich sind sie sogar schädlich, aber das scheint die Wortführer in der Paulskirchenfrage offenbar überhaupt nicht zu interessieren. Man kann dieses Desinteresse vielleicht damit erklären, dass die Frage über die Zukunft der Paulskirche (Sanierung, künftige Nutzung) nicht als ein demokratischer Willensbildungsprozess betrachtet wird, sondern als der gelebte (der repräsentierte und ausgelebte) Unwille an einem gemeinsamen Vorgehen.

Da es sich bei der Paulskirche, unter anderem, um ein Symbol der Demokratie handelt, ist das natürlich eigentlich widersinnig. Wenn es so, wie es bisher läuft, weiterläuft, muss man als Öffentlichkeit womöglich umswitchen. Man muss sich nämlich davon verabschieden, dass es sich bei der Sanierung des Baukörpers Paulskirche ernsthaft um ein Prestigeprojekt der Demokratie handelt. Geht es doch, realistisch betrachtet, bisher um ein Renommierprojekt politischer Akteure.

Das Römerbündnis von CDU, SPD und Grünen ist zerstritten. Darunter leidet vieles in der Stadt, auch die Paulskirchendebate. Anstelle eines seriösen Planens generiert sie populistische Treibhauseffekte, die die politische Atmosphäre weiterhin aufheizen. Auch in der Paulskirchenfrage ist die Koalitionsklimabilanz in Frankfurts Römer miserabel. Ziele, die man mit der Paulskirche hat, ließen sich nur durch eine drastische Reduktion des gegenseitigen Aversionsausstoßes erreichen. Man glaubt es kaum, aber es geht um Frankfurt for Future.

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