Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wir fordern: Twitter-Konten für Zootiere!
+
Wir fordern: Twitter-Konten für Zootiere!

Times mager

Twitteraal

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
    schließen

Orang-Utan Toni hat einen Fernseher bekommen. Aber warum darf er nicht twittern wie Elon Musk?

Darf Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff die 14 700 Likes, die er für ein „Ä“ bekam, nun eigentlich behalten oder muss er sie zurückgeben, weil er, wie einst Modern Talking nicht selbst gesungen haben (die Älteren von Ihnen werden sich erinnern), nicht selbst getwittert hat? Zwar gehört sein Ohr zu ihm, aber da er nicht wusste, was sein Ohr tat – nämlich ein geheimnisvolles „Ä“ twittern, nichts sonst, damit freilich die Internet-Gemeinde entzücken –, kann er ja wohl schlecht den Ruhm einheimsen. Andererseits ist sein Ohr, bloß weil es sich mit einem klug, ja bedacht gewählten Buchstaben zu Wort meldete, noch lange nicht geschäftsfähig. Andererseits muss man fast davon ausgehen, dass das Ohr dem „Ä“ Tiefsinniges hätte folgen lassen können, hätte Reiner Haseloff ihm das Smartphone nicht zu schnell wieder entzogen.

Etwas länger, aber weit weniger mysteriös ist der allererste öffentliche Tweet, abgesetzt von Twitter-Gründer Jack Dorsey am 21. März 2006: „just setting up my twttr“ (nebenbei: da fehlt ein ä für den letzten Schliff, „twttär“). Trotzdem wollen so viele Leute diesen Tweet ersteigern, dass das Höchstgebot schon bei zwei Millionen Dollar liegt. Dabei ist Jack Dorsey noch nicht einmal tot, wie Picasso, Monet oder Munch. Und kann man das digitale Zertifikat von „just setting up my twttr“ nicht über die Couch hängen und damit angeben, muss vielmehr versuchen, ganz beiläufig zu erwähnen: Übrigens, das war ich, der den allerersten Tweet ersteigert hat. Er liegt in einer Cumulus-Cloud und schwebt immer mal hier vorbei.

Sucht man im Internet „die verrücktesten Tweets“, erhält man Trump, Trump und nochmal Trump. Obwohl sich dieser inzwischen in einer ähnlichen Situation befindet wie Reiner Haseloffs Ohr: Er kann nicht mehr twittern, noch nicht einmal ein „Ä“.

So hat sich als Nachfolger Elon Musk in Stellung gebracht mit „Technoking of Tesla“. Michael Jackson, in der Wolke, findet, er ist immer noch der einzige King und befördert sich via @michaeljacksoninthecloud zum „Emperor of Pop“. Und Wladimir Putin will nicht nachstehen und ruft sich zum „Killer-Zar“ aus.

Das Sumida-Aquarium in Tokio hat schon vor Monaten gebeten, via Facetime mit den Aalen zu sprechen und ihnen zuzuwinken. In Dresden hat Orang-Utan Toni einen Fernseher bekommen. Wir aber fordern: Twitter-Konten für Zootiere! Aale (besonders die sogenannten Twitteraale), Aasgeier, Aras, Antilopen, Ameisenbären u. a. würden so rätselhafte Buchstabenfolgen senden, dass Anhänger von QAnon Jahrzehnte mit deren Deutung beschäftigt wären und Dan Brown einen Fortsetzungsroman schreiben könnte. Und Toni würde seine erste Nachricht versteigern, sich ein großes Anwesen kaufen und ein paar Menschen halten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare