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Tüftler

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Von: Sylvia Staude

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Hat Nordkorea  einen Schnaps entwickelt, von dem man garantiert keinen Kater bekommt? Zur Imagebildung würde das jedenfalls enorm beitragen.
Hat Nordkorea einen Schnaps entwickelt, von dem man garantiert keinen Kater bekommt? Zur Imagebildung würde das jedenfalls enorm beitragen. © rtr

Die einen erfinden Ginseng-Schnaps, von dem man keinen Kater bekommt. Die anderen leuchtende Tornado-Cockpits.

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Aus aktuellem Anlass – weil es nämlich in diesen Tagen Autoscheiben freizukratzen gilt – stellte jemand in die fidele Kneipenrunde die Frage, was eigentlich aus dem österreichischen Frostschutz-Wein geworden sei. Wir erinnerten uns doch gewiss, fügte der Fragende hinzu, dieser mit Glykol versetzte, dem Mitte der 80er auf die Spur gekommen worden sei. Hätte die für den Verzehr letztlich nicht geeignete, nun ja, Spezialität nicht sinnvollerweise noch zur Enteisung von Windschutzscheiben eingesetzt werden können? Etikettiert als Scheiben-Riesling oder Autofahrer-Eiswein?

An die Öffentlichkeit drang die Geschichte, so wusste ein anderer zu berichten, schnell noch einen guten Schluck von seinem Primitivo nehmend, als ein besonders schlauer Winzer große Mengen Frostschutzmittel von der Steuer abzusetzen versuchte. Der zuständige österreichische Finanzbeamte wunderte sich. Und die österreichischen Weinhersteller brauchten in der Folge all ihren Einfallsreichtum, um ihr Image wieder aufzutauen.

Eine Imageverbesserung hat Nordkorea durchaus ebenfalls nötig. Möglicherweise aus diesem Grund berichtet in diesen Tagen die „Pyongyang Times“, das Lob des Bombenbauens für einen Moment hintanstellend, dass es dem Land gelungen sei, einen Schnaps zu entwickeln, von dem man garantiert keinen Kater bekomme. Der Koryo-Ginseng-Schnaps werde aus sechs Jahre altem Ginseng und gebranntem Reis hergestellt, heißt es weiter, er sei „sanft“ und werde darum von „Experten und Liebhabern“ gleichermaßen geschätzt. Leider gibt es keine Bestelladresse.

Außerdem wird als schöner Erfolg der Demokratischen Volksrepublik Korea gemeldet: Die Erfindung einer neuartigen Keramik, die im Dunkeln leuchtet. Schon wenn diese Keramik für eine Minute dem Licht ausgesetzt sei, so die „Pyongyang Times“, leuchte sie zwei Stunden. Wenn sie zehn Minuten im Licht stehe, leuchte sie mehr als zehn Stunden.

Ohne Zweifel stellen aber westliche, gar deutsche Ingenieure die nordkoreanischen Tüftler in den, äh, Schatten. Das, indem sie es geschafft haben, die Cockpitbeleuchtung von Aufklärungsflugzeugen dank neuer Soft- und Hardware, ASSTA-3, so hell zu machen, dass die Piloten regelrecht geblendet sind. In der Nacht müssen die Tornados deshalb auf dem Boden bleiben.

Wir verstehen nicht, wie man sich darüber aufregen kann. Die Aufklärungsergebnisse, so ein Sprecher der Luftwaffe, seien bei Tag ohnehin besser. Und sollten Nachtflüge tatsächlich mal nötig sein, kann man ja auf das sanfte Licht einer nordkoreanischen Keramik zurückgreifen.

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