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Das Opossum gilt mitunter als Unterstützungstier - und wer möchte da widersprechen?

Times mager

Trosttier

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Denkbar wäre ein Stachelschwein für Schüchterne, ein Grottenolm für Mürrische: Unterstützungstiere für Flugreisende sind im Kommen.

Man muss Verständnis dafür haben, dass US-Amerikaner sich seit etwa zwei Jahren in einem gewissen, nun ja, psychischen Ausnahmezustand befinden. Ehe ein Bürger, eine Bürgerin der USA sich den Namen desjenigen Innenministers gemerkt haben, der fast immer im Urlaub war, gleichzeitig irre viel Geld für Dienstreisen ausgegeben hat, ein Zirkustrick, den am Ende nicht einmal Donald Trump zu schätzen wusste, sollen sie sich schon wieder einen neuen Namen einprägen. Ehe sie verdaut haben, dass der Präsidenten-Anwalt, der am Montag „fabelhaft“ war, am Dienstag „schwach“, dazu Schuft und Lügner genannt wird, ist am Mittwoch ein neuer Anwalt „toll“ und wird er am Donnerstag wieder ein Schuft und Lügner sein. Und noch bevor der alte Stabschef aufgehört hat, ist der neue womöglich so gut wie weg – im November 2016 hat er Trump „einen furchtbaren Menschen“ genannt. Das ist zu nahe an der Wahrheit, um erträglich zu sein (also für den Präsidenten), das versteht sogar ein Grottenolm in seiner Höhle.

Wie wir auf den Grottenolm kommen? Proteus anguinus ist, so hört man, ein fabelhaft schweigsames und ausgeglichenes Tier. Mithin geeignet als „support animal“ – diese wiederum sind in den USA total im Trend als tierischer Gefährte, der dem Menschen in psychischen Ausnahmezuständen Beistand leistet. Einzig der Präsident braucht kein hohes Unterstützungstier, das liegt an seinem höchsten IQ.

Für alle normalsterblichen, tiergetrösteten Amerikaner wird das Leben nun freilich noch härter: Delta Airlines hat die Bestimmungen für „support animals“ auf Flügen verschärft, nachdem Zwischenfälle erheblich zugenommen haben. Außerdem besteht der Verdacht, dass Passagiere sich das Beförderungsgeld für ihr jeweiliges Haustier sparen wollen und es darum als für ihr Wohlbefinden auf Reisen unbedingt nötiges Unterstützungstier ausgeben. Als ein solches waren Delta schon angekündigt: Truthähne, Opossums, Schlangen, Spinnen.

Zwei Fragen: erstens: was, wenn auf dem angrenzenden Platz jemand mit einer Spinnen-/Schlangen-/Truthahn-/Opossum-Phobie sitzt? Nur, weil noch niemand von einer Opossum-Phobie gehört hat, kann es sie trotzdem geben. Es hat bis vor wenigen Jahren auch noch niemand von medizinisch verordneten Trosttieren gehört. Früher haben Leute mit Flugangst sich einfach bis zur Bewusstlosigkeit betrunken. Oder so lange, bis sie weiße Mäuse gesehen haben oder träumten, dass ihnen gebratene Truthähne in den Mund fliegen.

Zweitens: Warum soll es Trosttiere nur für Flugreisende geben? Sie müssten doch für Kunden der DB hilfreich sein (Faultier? Stachelschwein?), ebenso für DieselFahrer (Zitteraal, Zwergesel, weil sich der Diesel-Fahrer bereits als Esel fühlt?). Und wer Angst hat, dass die Opernaufführung nicht seinen Ansprüchen genügt, könnte eine Trostlerche mitnehmen.

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