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„Abends beim Zapfenstreich ging ich neben der Menge Trommeln her, deren gewaltsame Wirbel und Schläge das Herz im Busen hätten zersprengen mögen.“
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„Abends beim Zapfenstreich ging ich neben der Menge Trommeln her, deren gewaltsame Wirbel und Schläge das Herz im Busen hätten zersprengen mögen.“

Times mager

Trompete

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Er härtete sich ab, beim Zapfenstreich, in der Anatomie. Was sagt man heute Kinderlein, die etwas machen sollen, was sie nicht machen wollen?

Am Ende läuft Erziehung oder das, was von ihr bleibt, auf ein übersichtliches Arsenal an Sinnsprüchen hinaus. Beim coronaregelkonformen Abendessen in sehr, wirklich sehr kleinem Kreis – man hätte auch gar keinen Kreis bilden können, so wenige Personen waren anwesend – kam das Thema darauf und damit auch gleich auf „Goethe und die Trompete“. „Goethe und die Trompete“, mehr musste die ältere Verwandtschaft nicht sagen, damit die Kinderlein wussten, was gemeint war. Die Kinderlein konnten das aber nicht leiden, und als sie etwas größer und dann noch größer wurden, konnten sie es noch viel weniger leiden. Sie rollten mit den Augen, seufzten, lasen zur Entspannung ein Lustiges Taschenbuch und zogen schließlich in einer typischen Volte erzieherischer Totalmisserfolge die gegenteilige Lehre aus alledem. Das ist bedauerlich.

Nun wollte der Kreis, der gar keiner war, natürlich wissen, worum es ging. Es war nicht einfach, die entsprechende Passage in „Dichtung und Wahrheit“ wiederzufinden, denn es kommt – Erwachsene! – nicht einmal eine Trompete darin vor. Stattdessen lesen wir (über Goethes Straßburger Zeit): „Ein starker Schall war mir zuwider, krankhafte Gegenstände erregten mir Ekel und Abscheu. Besonders aber ängstigte mich ein Schwindel, der mich jedesmal befiel, wenn ich von einer Höhe herunterblickte. Allen diesen Mängeln suchte ich abzuhelfen und zwar, weil ich keine Zeit verlieren wollte, auf eine etwas heftige Weise. Abends beim Zapfenstreich ging ich neben der Menge Trommeln her, deren gewaltsame Wirbel und Schläge das Herz im Busen hätten zersprengen mögen.“

Goethe stieg außerdem allein in den Münsterturm (uns wird schon bei der Schilderung schwindlig), begab sich in die Anatomie und auf Entbindungsstationen und trieb sich nachts auf Friedhöfen herum. Ihm zufolge funktionierte das ausgezeichnet. Es wirkt auch nicht albern. Eher ist es so, dass ein Mensch sich hier den Bewegungsspielraum fürs Leben verschafft, der anderen – auch wegen der verfluchten „Goethe und die Trompete“-Geschichte? – für immer verschlossen blieb.

Gleichwohl ist es interessant, dass von diesen zum Teil relativ krassen Expositionsübungen in der pädagogischen Privatvariante lediglich die von Goethe nicht erwähnte Trompete übrigblieb. Man sieht daran, dass die ältere Verwandtschaft den Kinderlein wirklich nichts Böses wollte. Sie wollte einfach, dass sie sich fleißig auch Dingen widmeten, die sie nicht gerne machten.

Was kam sonst so? „Auf, auf, ruft der Fuchs zum Hasen, auf, auf, die Jäger blasen.“ „Carpe diem.“ „Ich bin so klug und weise und mich betrügt man nicht.“ Na, okay.

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