Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Freies Assoziieren in der Oberpfalz.
+
Freies Assoziieren in der Oberpfalz.

Times mager

Triebwagen

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
    schließen

Ist es wirklich „geil“, wie die Simultankirchen im Jahre 1652 zu Friedensstiftern zwischen den Konfessionen werden wollten? Freies Assoziieren in der Oberpfalz.

Der Dieseltriebwagen hatte uns durch sattgrüne Wiesen nach Weiden gebracht, und als die Arbeit getan war, saßen wir mit einer entzückenden Runde Einheimischer am Wirtshaustisch beim Bier. Weidens Umgebung, die Oberpfalz, erzählte der Pfarrer, sei bis heute berühmt für ihre „Simultankirchen“, die man sogar auf einem unter Teilnahme des evangelischen Landesbischofs gerade eröffneten Radweg bequem „erfahren“ könne.

Die Simultankirchen, erläuterte der Pfarrer weiter, verdankten ihre Existenz dem Pfalzgrafen Christian August, Herrscher des Fürstentums Sulzbach, der im Jahre 1652 beschloss, als Friedensstifter in die Geschichte einzugehen, und deshalb verfügte, dass alle Gotteshäuser fortan von beiden christlichen Konfessionen gemeinsam zu nutzen seien. Uns entfuhr, aus Begeisterung über so viel Weitsicht und Klugheit, ein tief empfundenes „Geil!“

Das war selbstredend ein vollkommen unangemessener Ausdruck, und auf der Rückfahrt im Dieseltriebwagen ließ uns der Gedanke nicht mehr los, wie sehr doch die Sprache durch semi-sexualisierende Begriffe verunstaltet sei. So etwas schärft die Aufmerksamkeit für eine Zeile wie „Hängepartie beim Prostitutionsgesetz“, die uns genau in diesem Augenblick aus der Zeitung hinterhältig ansprang. Weiter unten auf der Seite hieß es, die SPD wolle den BND zwar reformieren, aber „nicht impotent machen“, aber das war ein anderes Thema.

Hinter Nürnberg dann der Weg hinaus

Hinter Nürnberg, im ICE, fanden wir dann doch den Weg hinaus aus dem Labyrinth der Assoziationen. In dem entzückenden Nachruf dieser Zeitung auf Harry Rowohlt lasen wir, „mit welcher Kunstfertigkeit Harry Rowohlt aus seiner Kehle ein halbes Dutzend ... Stimmen herausholt“, und weiter: „Man hört zu und schämt sich dafür, dass man sein eigenes Organ so hat schrumpfen lassen. Die an dieser Stelle sich anbietende sexuelle Anspielung ist beabsichtigt.“

Das Assoziieren verging uns schon deshalb, weil exakt in diesem Moment die schöne, aber an stimmlicher Modulationsfähigkeit bitterarme Dame fünf Reihen vor uns beschloss, mit ihrem gewaltigen Organ den gesamten Großraumwagen zu beschallen. Es muss so etwas gewesen sein wie eine fernmündliche IT-Beratung, denn das Organ brüllte ständig etwas von „Schauen Sie mal, ob...“ ins Telefon. Die Nähersitzenden meinten, auch noch ein Wort wie „Bandbreite“ verstanden zu haben.

Binnen Minuten waren wir von jeder Anwandlung annehmlicher Erregungen befreit. Zum Glück flog schon der Bahnhof Hösbach vorbei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare