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Wer hat an der Uhr gedreht, vielleicht Paulchen?

Times mager

Triebenergie

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Wie endet „Trickfilmzeit mit Adelheid“? Irrtümer und Übersprungshandlungen in der Redaktion.

Der Mensch unterliegt immer wieder Langzeitirrtümern, die wenigsten klären sich auf. So zeigte sich am Montag im Gespräch mit der Chefredaktion, dass die Serie „Trickfilmzeit mit Adelheid“ keineswegs durch den Rosarote-Panther-Song „Wer hat an der Uhr gedreht“ beendet wurde, dass es vielmehr keinen Zusammenhang zwischen „Trickfilmzeit“ und „Wer hat an der Uhr gedreht“ gab, also Paulchen P. nicht etwa Gastauftritte sowie das Schlusslied hatte, sondern allerhöchstens in einer zeitlichen Beziehung zu dem eloquenten Känguru stand. Die Musik zu „Trickfilmzeit“, die von der engagierten Chefredaktion an ihrem Computer sofort aufgerufen wurde, klingt, als hätte man sie nie im Leben gehört. Es ist unfassbar.

Andererseits ist es auch unwahrscheinlich, dass geheime Kräfte einer solchen Lappalie so viel Bedeutung beimessen, dass sie die Vergangenheit an dieser Stelle entsprechend abgeändert hätten. Das wäre ein Riesenaufwand und sinnlos. Außer die geheimen Kräfte wollten das Feuilleton vor der Chefredaktion blamieren bzw. das Feuilleton in den Wahnsinn treiben, um so an sein Erbe zu kommen. Das Erstere kann man sich vielleicht noch etwas leichter vorstellen.

Natürlich stellte sich ferner die Frage, ob die Blaue Elise eine Figur aus „Trickfilmzeit mit Adelheid“ oder „Der rosarote Panther“ war. Die Blaue Elise ist ein Erdferkel, kein Ameisenbär, hier befindet sich das Feuilleton wieder auf festem Untergrund, konnte diesen in der Situation jedoch nicht nutzen. Die Zeit drängte wie immer in der Redaktion wahnsinnig. Insofern handelte es sich ohnehin um eine Übersprungshandlung. Im spätnachmittäglichen Konflikt zwischen unvereinbaren Trieben – ich brauche eine Pause, ich brauche eine Pause / ich will die Seiten pünktlich abgeben, ich will die Seiten pünktlich abgeben – wird die aufgestaute Triebenergie über ein in diesem Moment irrelevantes, zu einem anderen Instinkt gehörendes Verhalten abreagiert. Der Instinkt: Das Feuilleton ist sehr schlau und kennt sich auch mit Trickfilmserien der Siebziger aus. Das Verhalten: Das Feuilleton lässt sich zur Unzeit auf eine blödsinnige Diskussion über Trickfilmserien der Siebziger ein und unterliegt auch noch auf ganzer Linie.

Sowohl die jüngeren als auch die älteren Kollegen schauten bei alledem höflich aus dem Fenster, was in der Chefredaktion übrigens weit mehr lohnt als in den Räumen des Feuilletons. Wobei „Räume des Feuilletons“ jetzt ein kleiner Euphemismus ist.

Teile des Abends gingen dann dafür drauf, doch noch eine Verbindung zwischen „Trickfilmzeit mit Adelheid“ und „Wer hat an der Uhr gedreht“ zu finden. Über Recherchen im Internet und in der Peergroup. Bisher vergebens, aber heute ist nicht alle Tage. Der Mensch unterliegt permanent seiner Unbelehrbarkeit und gibt ihr auch willig nach.

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