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„Schwierig“, „knifflig“, „verzwickt“, „verzwackt“ oder „vertrackt“ - klingt das nicht wunderbar nach Tick, Trick und Track?

Times mager

Tricky

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Gesucht wurde jemand, der das richtige „wording“ beherrscht. Ist das die richtige Formulierung?

Der Trick ist in Deutschland schon sehr alt, das Wort „Trick“ auch. Ein schönes Beispiel für die Fähigkeit unserer Sprache, eingewanderte Begriffe so zu integrieren, dass sie uns gar nicht mehr fremd vorkommen. Ja, die Sprache ist manchmal klüger als das Land, wie man sieht.

Nach dieser rundum gelungenen Einleitung wird niemand mehr behaupten, es gehe hier darum, deutschtümelnden Sprachpurismus zu betreiben und die Grenzen für jede Wort-Einwanderung zu schließen, vor allem für alles, was aus dem Englischen kommt. Dafür gibt es Spezialisten, und die sind nicht lustig. Lustig ist dagegen schon, was manchmal mit unseren mehr oder weniger neu zugezogenen Wörtern passiert.

Letztens zitierte eine sehr liebe Kollegin eine Stellenanzeige (Warum liest sie Stellenanzeigen? Müssen wir uns Sorgen machen? Oder lest ihr etwa alle Stellenanzeigen?). Gesucht wurde, sie hatte es nicht mehr wörtlich im Kopf, so etwas wie ein oder eine „Manager Sales, Promotion und noch irgendwas“, wie sie sich ausdrückte, und gefordert war eine große Geschicklichkeit im Gebrauch der „deutschen Sprache“, da es vor allem um das richtige „wording“ gehe.

Die liebe Kollegin, auch sie beileibe nicht tümelnd veranlagt, fragte vorsichtig, ob dies nun ausgerechnet in Sachen „deutsche Sprache“ das richtige „wording“ gewesen sei. Beworben hat sie sich nicht.

Dem Trick ist übrigens zuletzt im Rahmen eines verspäteten Familiennachzugs eine nahe Verwandte gefolgt, das Adjektiv „tricky“. Und da kann man sehen, wie es manchmal am Anfang hapert mit der Integration.

Millionen Menschen, die noch vor Kurzem so wunderbare Wörter verwendet hätten wie „schwierig“, „knifflig“, „verzwickt“, „verzwackt“ oder „vertrackt“ (klingt das nicht wunderbar nach Tick, Trick und Track?), sagen jetzt: „tricky“. Und erschwerend kommt hinzu: Sie sprechen es nicht aus wie „Trick“, sondern sie geben dem frischer zugewanderten Wort die zweifelhafte Ehre und versuchen es mit englischer Intonation.

Bei denen, die richtig gut Englisch sprechen: kein Problem. Bei uns anderen: „t“, Zunge mühsam an den Gaumen, „r“, „icky“. Das klingt etwa wie t-ör-icky und nicht besonders schön, vom Sprechfluss ganz abgesehen. Sehr ähnlich übrigens beim aggressiv-invasiven Wort „t-ör-iggern“. Also bitte: Sagt, was ihr wollt, aber sagt es, wie ihr könnt. Danke.

Nächste Folge: Vom Heckaufsatz zum Spannungskiller: Die Geschichte des Spoilers.

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