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Wo der Reißverschluss ist, erscheint alles einfach und ist doch kompliziert.

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„Wir liefern, neben der bekannten Technik, einen ganz speziellen Haken, bei dem das Einhängen des Zuschauerringes wie Butter geht.“

Wer sich einigermaßen umfassend auf den Tag des Reißverschlusses am heutigen Mittwoch vorbereitet hat, dem wird die aktuelle globale Marktstudie zu Aufbewahrungstaschen mit Reißverschluss nicht entgangen sein. „Der Bericht enthält aufschlussreiche Daten zu den wichtigsten Sektoren des globalen Aufbewahrungstaschen mit Reißverschluss marktes“, lesen wir irritiert, denn – abgesehen von den Gepflogenheiten der Groß- und Kleinschreibung – müsste es nicht „zu den wichtigsten Sektoren des globalen Aufbewahrungstaschen-mit-Reißverschluss-Marktes“ heißen?

Ja, wo der Reißverschluss ist, da ist auch der dynamische Alltag alerter Zeitgenossen, und da gilt es stets, gleitende Übergänge und Zusammenhänge zu finden. Und doch ist die Sache selbst rätselhaft. So hat ein namhafter Versand für Zauberkunstartikel „einen tollen fliegenden Ring am Lager. Es ist ein Mäppchen, das einen Reißverschluss hat. Die Benutzung des Reißverschlusses wird ja von vielen Fachleuten empfohlen, da die Tricktechnik später viel besser kaschiert werden kann.“ An dieser Stelle wird man sich als zauberunkundige Person sagen: na, so was aber auch. Klar ist, dass ein Ring verschwinden und im Mäppchen wieder auftauchen kann. Das Mäppchen hat einen doppelten Boden, was allerdings noch nicht die Machbarkeit des Kunststücks selbst erklärt. Hier nur so viel dazu: „Wir liefern, neben der bekannten Technik, einen ganz speziellen Haken, bei dem das Einhängen des Zuschauerringes wie Butter geht. Kein verkrampftes Halten mehr. Gibt es nur bei uns.“

Es ist praktisch unmöglich, dieses Produkt nicht sofort zu bestellen. Bei den „aufschlussreichen Daten zu den wichtigsten Sektoren des globalen Aufbewahrungstaschen mit Reißverschluss marktes“ konnte man jedenfalls leichter widerstehen. Dabei wenden sich beide Texte an ein Fachpublikum.

Wo der Reißverschluss ist, erscheint alles einfach und ist doch kompliziert. In seinem Feuilleton „Wie sieht der Erfinder des Reißverschlusses aus?“ hat Kurt Tucholsky das insofern auf den Punkt gebracht, als jener Erfinder zwar sofort um sein Patent geprellt wird. Aber während „alle Welt einen Reißverschluss haben will“ und Fabriken auch fleißig Reißverschlüsse produzieren, weiß trotzdem nur der geprellte Erfinder, wie er wirklich funktioniert. Er ist arm wie eine Kirchenmaus, aber er schweigt.

In echt war es verwickelter. Aber weil an einem 29. April der maßgebliche Reißverschlusserfinder Gideon Sundback sein Patent für den „Hookless Fastener No. I“ anmeldete (ein Happy End für Erfinder), feiern wir heute den Tag des Reißverschlusses. Völlig entspannt. Gibt es nur bei uns.

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