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Büroarbeit, Fabrikarbeit, Untergrundarbeit. Was hätte Marx wohl von Trauerarbeit gehalten?
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Büroarbeit, Fabrikarbeit, Untergrundarbeit. Was hätte Marx wohl von Trauerarbeit gehalten?

Times mager

Trauerarbeit

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
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Eva Demskis Roman „Scheintod“, 1984 erschienen, macht heutigen Leserinnen und Lesern plausibel, wie problematisch doch Heldenerinnerungen und Heldinnengedenken ist

Trauer schien irgendwann nicht mehr genug, vielmehr Arbeit sollte sie machen. Was dazu führte, dass Trauerarbeit zu einem Wort wurde, was leichter gesagt als getan war. Trauerarbeit: ein pompöses Wort, Herkunft aus der Psychologie. Oder gar revolutionären Ursprungs?

Trauerarbeit leiste, so hieß es 1984, auch Eva Demskis Roman „Scheintod“. Trauerarbeit leisten - noch so ein schauerlicher Begriff. Wie auch immer, „Scheintod“ ist für die im Juli geplante Veranstaltung „Frankfurt liest ein Buch“ ausgewählt worden, ist es doch die Stadt von 1974, die im Zentrum der Romanhandlung steht, das Frankfurt linker Gesellschaftskritik, anarchischen Aufbegehrens, konspirativer Aktionen, des sogenannten bewaffneten Kampfs. Noch so ein unsägliches Wort.

Das Buch erneut aufgeschlagen eröffnet es Einblicke in ein märtyrergesinntes Milieu, in dem das Wort „Heldentod“ umgeht. Mit dem Wort verbindet sich eine monströse Mission. „Nein, da wurde nicht gestorben, gefallen waren sie, wenige bis zu diesem Zeitpunkt und auf dem Feld ihrer Ehre.“ Fatal wurden die Nachgeborenen vom Ehrbegriff der Elterngeneration eingeholt. Als Wiedergänger? Es war der bewaffnete Kampf, der Gelegenheit bot, um sich „einen Helden zu denken“.

Trauerarbeit dennoch durch den Roman, inmitten des Heldengedenkens eine doppelte. Zum Doppelcharakter der Trauerarbeit gehörte die persönliche ebenso wie die politische, für den Geliebten, einen linken Anwalt, wie über dessen Vision radikaler Gleichstellung und Gerechtigkeit. Keine einfache Trauerarbeit – und womöglich deshalb, weil Marx vom Doppelcharakter der Arbeit gesprochen hatte? Von der Vergegenständlichung durch Arbeit ebenso wie von der Entfremdung in der Arbeit.

Büroarbeit, Fabrikarbeit, Untergrundarbeit – ließ sich nicht alles auf den Doppelcharakter der Arbeit zurückführen? Also auch die Trauerarbeit? Wo doch alles mit allem zusammenhing, ob nun analytisch oder absurd, real oder in der revolutionären Fiktion.

Eva Demskis „Scheintod“ ist auch deswegen ein außergewöhnlicher Roman, weil er so etwas wie Trauerarbeit über den Tod ist, nicht nur wegen des Asthmatodes des ehemaligen Ehemanns – als ein Sinnbild für den Erstickungstod sozialer Emanzipation. „Scheintod“ ist auch deswegen ein großer Roman, weil er den Tod selbst betrauert. Mehrfach dabei der Gedanke, dass Marx keinerlei Erkenntnis zum Tod habe beitragen können. Kein Zweifel, obwohl diese Romanstelle zu denken gibt: „Was war denn die RAF? Eine Gesellschaft zur Vernichtung der eigenen Todesangst.“

Wollte man an Marx erinnern, so ließe sich sagen: Die Vergegenständlichung im Heldentod geschah zum Preis vernichtender Verdinglichung, ja der Entfremdung vom Tod selbst.

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