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Times Mager

Trauerarbeit

  • VonChristian Schlüter
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Am Sonntag wurde von Robert Enke im Stadion seines Vereins Hannover 96 öffentlich Abschied genommen. Man geht also auseinander. Aber war man denn jemals zusammen?Von Christian Schlüter

Deutschland weint. Robert Enke ist tot. Der Fußballtorwart hat sich das Leben genommen. Das war vergangenen Dienstag, am Sonntag wurde von ihm im Stadium seines Vereins Hannover 96 öffentlich Abschied genommen. Damit hat sich auch ein Wunsch der Witwe Teresa Enke erfüllt, "Robert und seine Freunde, Fans und Mannschaftskollegen in angemessenem und würdigem Rahmen auseinander gehen zu lassen."

Man geht also auseinander. Aber war man denn jemals zusammen? Von wem oder was wird da eigentlich Abschied genommen? Die Nähe zu Robert Enke war eine massenmedial hergestellte, die Vertrautheit mit ihm und seinem Leben also eine Illusion. Sie war allerdings auch eine einträgliche, vom Starschnitt bis zur Homestory reichende Liaison, gewissermaßen eine auf die Bedürfnisse des Sports zugeschnittene Variante der Popkultur.

Die wiederum treibt seit jeher ihr falsches Spiel mit echten Gefühlen und sorgt längst nicht mehr nur bei Heranwachsenden für eine zeitgemäße Éducation sentimentale. Abgesehen davon gilt allerdings seit jeher, dass man sich Gefühle immer auch leisten können und wollen muss - so wie man zum Beispiel ins Kino mit dem festen Vorhaben geht, heute mal so richtig die Tränen fließen zu lassen. Anders gesagt, es gibt Grenzen des Zumutbaren, die nicht überschritten werden sollten, innerhalb derer aber mittlerweile auch gestandene Mannsbilder weinen oder anderswie rückhaltlos sich der Trauer hingeben dürfen.

Kommen wir damit wieder auf Robert Enke zurück und stellen also fest: Wir trauern besonders bereitwillig aus der Ferne, sei es aus Erleichterung, dass es uns selbst nicht getroffen hat, oder aus Enttäuschung, einer Lüge aufgesessen zu sein. Das ist zwar eine Zumutung, aber gerade noch zumutbar und damit "angemessen". Das ist "würdig" und kann also im "Rahmen" bleiben Wie auch immer, irgendetwas, aber ganz gewiss nicht irgendjemand ist da unwiederbringlich "von uns" gegangen.

Deutschland weint: So viel echte Trauer und falsche Nähe, so viel richtiges Leben im falschen war selten.

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