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Von: Stephan Hebel

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Abkürzung, vier Buchstaben, aber groß: ÖPNV.
Abkürzung, vier Buchstaben, aber groß: ÖPNV. © dpa

Wenn ein Kürzel nicht mehr als drei Buchstaben hat, wird es groß geschrieben. Natürlich nicht immer.

Der Kollege A., ein Unvergessener, pflegte zu sagen: „Das glaubt einem kein Mensch.“ Er sagte das immer dann, wenn er glaubte, ihm glaube keiner, zugleich aber wünschte, dass man ihm glaube. Zum Beispiel: „Was Redakteure sich so ausdenken, das glaubt einem kein Mensch.“ Mit „ausdenken“ ist hier jetzt nicht die Sache mit der Lügenpresse gemeint. Redakteure denken sich keine Informationen aus, vom Times mager einmal abgesehen. Sie denken sich aber Regeln aus, Schreibregeln vor allem, zwar nicht im Sinne von Rechtschreibung, aber so eine Art Sprachregelungen fürs Schriftliche. Für Abkürzungen zum Beispiel gilt in etwa folgendes: Wenn ein Kürzel nicht mehr als drei Buchstaben hat, wird es groß geschrieben, also AKW (Pkw und Lkw allerdings eher nicht, warum auch immer). Selbst wenn man die Abkürzung wie ein Wort sprechen kann: alles groß (GAU). Aber Gatt? Gatt hat vier Buchstaben, auch wenn Sie es vielleicht gar nicht mehr kennen, es war irgendein Zoll- und Handelsabkommen. Und vier Buchstaben, die man wie ein Wort sprechen kann, werden auch wie ein Wort geschrieben, also „Gatt“. Wie „Gott“, selbst wenn es nicht um Freihandel ginge. „Nato“ zum Beispiel, bei der das mit dem Freihandel nicht ganz klar ist. Aber: ÖPNV. Klar.

Getz oder vielleicht GETZ?

Manchmal wünschen sich Redakteurinnen und Redakteure, dass es gar keine Abkürzungen gäbe, das werden Sie verstehen. Andererseits: Schreiben Sie mal in einem Artikel drei Mal „Gemeinsames Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum“! Dann lieber „Getz“, oder in diesem Fall (warum auch immer) „GETZ“, so ähnlich wie „GTAZ“ (Gemeinsames Terrorismusabwehrzentrum). Ja, es gibt beides, das ist innere Sicherheit. Da wir gerade beim ÖPNV waren: Am Frankfurter Flughafen gibt es demnächst ein neues PTS. Wie man das schreibt, wissen Sie jetzt, und gleich wissen Sie auch, dass der Auftrag an ein Konsortium 300 Millionen Euro (!) umfasst, zehn Jahre Betrieb des PTS inklusive. Ein PTS ähnelt dem ÖPNV insofern, als es Menschen durch die Gegend fährt, also ist es ein „Personentransportsystem“. Merken Sie sich das, nur für den Fall, dass Sie mal einer am Flughafen fragt, wo es zum PTS geht. Ehrlich gesagt: Abkürzungen sind zwar schlimm, aber manchmal geht es noch viel lustiger. Kaum hatte der Flughafenbetreiber die PTS-Mitteilung geschickt, kam das Konsortium hinterher: „... liefert vollautomatischen People Mover für Flughafen Frankfurt“. Sind Sie auch einer von den People, die sich ungern moven lassen? Selbst wenn das Ding vom „GoA4 Communication Based Train Control Trainguard MT CBTC“ gesteuert wird?

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