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Um sie herum nur Profis.

Times mager

Träume

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Betrug ist kein Kavaliersdelikt, aber nachts hat man das einfach nicht im Griff.

Während in „Inspector Barnaby“ die letzten Schlenker und Wendungen wie üblich zu einer Täterin führten, die diesmal eine seriöse Akademikerin zu sein schien, nun aber ihre innerlichen Verwüstungen öffentlich machte (Inspector Barnaby wusste natürlich schon alles), kam das Gespräch auf die bösen Träume der mittleren Jahre. Sie bestehen ja nicht unbedingt darin, dass man nackt über die Zeil läuft oder eine Leiche verstecken muss, beides allerdings ebenfalls Dinge der Unmöglichkeit. 

Stattdessen fiel dem einen nachts immer wieder ein, dass er kein Abitur hatte. Er hatte es ansonsten weit gebracht, irgendwie sein Examen geschafft, anschließend im Beruf messbare Erfolge aufzuweisen. Gleichwohl war ihm klar, dass das ohne Abitur alles keine Gültigkeit hatte. Eine ausweglose Situation, denn niemals würde er heute noch eine Abiturprüfung bestehen können. 

Während die andere nachts immer wieder vor einem großen Theaterauftritt stand, bevor ihr wieder einfiel, dass sie den Text nicht auswendig konnte und auch keine Schauspielerin war. Dafür brauchte sie eine Weile, weil sie das Stück ja gelesen hatte. Der gewaltige Abstand zwischen der Lektüre eines Stückes und dem Auftritt in einem Stück wurde ihr leider jedes Mal erst klar, wenn sie bereits ungemein professionell geschminkt wurde (um sie herum überhaupt ausschließlich Profis). 

Außerdem saß die andere nachts auch immer wieder in einem Auto, mit dem sie schleunigst losfahren musste, aber sie hatte keinen Führerschein. So oft sie auch gesehen hatte, wie Menschen schleunigst mit einem Auto losfuhren, so wenig wusste sie selbst, wie man das macht, schleunigst losfahren. 

Nun gibt es zwischen den Träumen des einen und der anderen einen großen Unterschied. Während der eine zwar mit Mühe und Not, aber doch sein Abitur vor geraumer Zeit abgelegt und im gut sortierten Aktenordner hatte, war die andere keine Schauspielerin und hatte keinen Führerschein. So führen uns Träume aufs Glatteis oder erinnern uns an unsere Schwächen, je nachdem. 

Außerdem waren sehr unterschiedliche Reaktionen auf den jüngsten Betrugsfall die Folge, der sich – die FR berichtete – in einem Krankenhaus im Schwalm-Eder-Kreis ereignete. Der überführte Nicht-Arzt war „nach drei bis vier Diensten aufgefallen“, weil er standardisierte Verfahren bei der Bluttransfusion nicht eingehalten habe. Der eine zog nach der Lektüre sein Abiturzeugnis aus dem in der Tat vorzüglich sortierten Aktenordner und blickte eine Weile darauf. Die andere hegte eine heimliche Bewunderung (drei bis vier Dienste!), traute sich aber nicht, das zuzugeben. Betrug ist kein Kavaliersdelikt.

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