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Teuflisch: Luthers Antagonist Papst Leo X.
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Teuflisch: Luthers Antagonist Papst Leo X.

Times mager

Tradition

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Luther konnte gewaltig austeilen. Zum Luthererbe zählen nicht zuletzt teuflische Wörter.

Den Teufel als Teufel zu erkennen, um ihn zu bannen, will nicht so ohne weiteres gelingen. Anstrengungen bleiben nicht aus. Mit den Mühen stellen sich umso lebhaftere Vorstellungen ein, auch auf der Wartburg, in der Lutherstube, bei flackerndem Licht.

Schon das Kind Martin wuchs mit Kobolden auf. Die Lutherspielplätze befanden sich in der Kupferbergbaustadt Mansfeld, der Knabe wuchs auf in einem unterhöhlten Erdreich. Aus ihm stiegen die Legenden auf, die Menschen in der Umgebung des Jungen lebten mit Gespenstern und – Erdgeistern. Polterte es aber auch auf dem Dachboden, rumorte es im Gebälk, ging es für das Kind ebenfalls mit dem Teufel zu. So erging es auch dem Mönch.

Der Teufelsglaube beherrschte den Gottgläubigen. Was den Satan anging, war der Augustinermönch tiefgläubig. Irgendwann wird über den Reformator der Kirche das Wort fallen, er sei geradezu „teufelsfürchtig“.

Wartburg, die Lutherstube. Oft verliert sich der Reformator, hinter dem die Häscher des Kaisers und der Papstkirche her sind, in tumultuarischen Gedanken. Oft ist dabei dann einer an den Teufel zu Stelle, etwa wenn sich der Denkende sicher ist, dass er die Gläubigen aus den Händen (Fängen) des Antichrist befreien müsse. Der Leibhaftige hat viele Namen, Luzifer oder Diabolus. Doktor Faustus – das ist ein anderer, der kommt erst noch. Unter den Zeitgenossen der schauderhafteste Antichrist ist der Papst selbst, dieser „vermummte und leibhaftige Teufel“.

Die Legende, die Lutherstubenlegende auf der Wartburg will, dass eines Tages, als der Teufel in den vier Wänden des Eremiten rumort, dieser ausgeholt habe, um mit einem Tintenfass nach dem Satan zu werfen. Erhob der Reformator, vom Papst mit dem Bann belegt, mit dem Tod auf dem Scheiterhaufen bedroht, womöglich die Hand gegen seinen innerweltlichen Widersacher?

Eine solche Projektion ist pure Spekulation. Zumal der Tintenfasswurf selbst eine unbewiesene Anekdote geblieben ist, eine eher belächelte Legende – wenn man mal davon absieht, dass es heute gerade aufgeklärte Theologen und unbeirrbare Protestanten sind, die nicht lächeln mögen, wenn sie von Luthers vermeintlicher Attacke auf den Satan hören.

Soeben erst hat der wortgewaltige Theologe Friedrich Schorlemmer die Tintenfasserzählung, wie sie weiterhin kolportiert wird, als „unausrottbar“ bezeichnet. Das ist wahrhaftig ein starkes Wort, heute, heute wieder, eines nach Lutherart. Zugleich ist es ein Schlüsselwort in der Geschichte des Glaubens und der Mission. Es steht in einer in der Praxis höllischen Tradition.

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