+
In der Bar schaut der deutsche Mann nicht nur deutschen Fußball.

Times mager

Fußball und Gin Tonic 

  • schließen

Als beim Fußball-Gucken in der Insel-Bar einmal alles anders war.

Wenn es Fußball gibt, bildet der deutsche Mann mit seinesgleichen eine Gruppe und geht in die Insel-Bar. Zunächst wechselt er ein freundliches Wort mit dem einheimischen Kellner, und dieses Wort lautet: Bier. Nicht selten formuliert der Mann es auch in der Landessprache, denn was den interkulturellen Austausch angeht, lässt der Deutsche nichts auf sich kommen. In der Bar schaut der deutsche Mann nicht nur deutschen Fußball, keineswegs. Selbst die einheimische Liga ist ihm einen Barbesuch wert, denn ein deutscher Mitspieler findet sich fast immer, dessen Name jedes Mal, wenn er ins Bild kommt, laut ausgerufen wird, als kleiner interkultureller Service für die Einheimischen.

Der deutsche Mann in der Insel-Bar

Manchmal, im Europapokal, wenn sich gar kein deutscher Spieler findet, rettet der Schiedsrichter die Situation: „Dr. Felix Brych aus München!“, tönt es dann im Minutentakt durch die Bar, und die Einheimischen nicken dankbar bzw. unter Aufbietung ihrer gesammelten Höflichkeit.

Jüngst aber betraten drei Herren die Bar, von denen einer vorschriftsgemäß das Wort „Bier“ ausrief, die beiden anderen aber, obwohl Schwaben, deutlich erkennbar die Worte „Gin Tonic“ formulierten. Auf Englisch! In der globalen „lingua franca“, wie wir Feuilleton-Autoren diese Sprache bei jeder, aber auch jeder sich bietenden Gelegenheit nennen!

Was folgte, war nicht überraschend: Jeder der beiden bekam umgehend einen Gin Tonic. Die Getränke wurden in riesigen Glaskelchen serviert, und rechtschaffen durstig machten sich die Herren ans Probieren, worauf einer der beiden, kaum hatte er vier oder fünf kräftige Züge getan, kritisch bemerkte: „Der Gin wird auch immer weniger.“

Gin in großen Glaskelchen

Die provokante Erwiderung eines Landsmanns am Nebentisch („Das könnte am Trinken liegen“) ignorierte der mit seiner Ginmenge Unzufriedene souverän. Dem Kellner, der seinem Begleiter gerade den Kelch mit einem zweiten Gin auffüllte und ein Fläschchen Tonic abstellte, bedeutete er vielmehr mit einem interkulturellen, wenn auch etwas zackigen Handzeichen, er möge auch ihm mit etwas mehr Gin aushelfen, der allerdings, anders war es nicht zu verstehen, noch der ersten Portion zugerechnet werden müsse, da ja der ursprüngliche Gin Tonic bzw. sein Nutzer unter einem Mangel an Alkohol gelitten habe. Der Kellner, ein Meister seines Fachs, grinste überlegen und goss nach.

Wesentlich eleganter am nächsten Abend die drei britischen Damen im Fischrestaurant. Ohne zu klagen, bestellten sie immer dann den nächsten Gin Tonic, wenn der vorige halb ausgetrunken war. Wenn nicht alles täuscht, schenkte der Kellner hier besonders großzügig nach.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion