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Alexander Gauland will es hinterher nie so gemeint haben. 

Rassismus

Tönnies, Gauland, Oettinger: Rassismus rutscht auch mal so raus

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Was haben Clemens Tönnies, Alexander Gauland und Günther Oettinger gemeinsam? Sie äußern sich rassistisch - um sich hinterher zu entschuldigen. Die Glosse.

Niemand wird bestreiten, dass das Ratgeberwesen einen wichtigen Bestandteil des lesernahen Journalismus darstellt, und schon an dieser Stelle möchten wir uns in aller Form entschuldigen: Das Wort „lesernah“ ist einfach so rausgerutscht, ungegendert. Dieses Versäumnis wird hiermit mit einer Entschuldigung bei allen Frauen, die sich benachteiligt gefühlt haben könnten, ein für alle Mal aus der Welt geschafft. Wir sind damit beim Thema, nämlich dem professionellen Entschuldigungswesen. 

Tönnies bedient sich üblicher rassistischer Reflexe 

Um es gleich zu sagen: Herr Tönnies vom FC Schalke 04, der die Afrikaner durch den Bau von Kraftwerken vom Kinderkriegen abhalten wollte und sich dann irgendwie entschuldigte (mehr dazu im Sport und im Leitartikel), sollte sich nichts einbilden. Er kann sich keineswegs als Pionier des Entschuldigungswesens fühlen, ganz anders als zum Beispiel Alexander Gauland (AfD) und Günther Oettinger (CDU). Und so wird’s gemacht: Schritt eins: Sie bedienen einen der üblichen rassistischen Reflexe. 

Ob Sie nun Chinesen als „Schlitzaugen“ bezeichnen, die „alle Haare von links nach rechts mit schwarzer Schuhcreme gekämmt“ haben (Oettinger 2016); ob Sie von einer bevorstehenden „Pflicht-Homoehe“ plappern (ebenda); oder ob Sie über einen schwarzen Nationalspieler sagen, „die Leute“ wollten so einen „nicht als Nachbarn haben“ – egal: Der Schenkelklopfomat wird beim entsprechenden Publikum die Messgrenze sprengen. Schritt zwei: Dem Protest aus der Noch-nicht-Minderheit, die ihre Sinne beisammen hat, begegnen Sie mit der Entschuldigung, die Sie natürlich bei Ihrer Verbalrandale bereits eingepreist hatten. 

Der Rassismus ist Öttinger so rausgerutscht

Sie können zum Beispiel über den Nationalspieler sagen: „Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten.“ Was zwar nur heißt, dass Sie ihn sehr wohl als Träger einer bestimmten Hautfarbe abwerten wollten, aber immerhin klingt es irgendwie nach Distanzierung. Womit Sie andererseits den Schenkelklopfern signalisieren: Ich gebe zwar den Rot-Grün-Versifften ein bisschen Futter, damit sie keinen Grund haben, mich zu boykottieren (irgendwo muss man ja auch Interviews geben). Aber ihr wisst schon, was ich eigentlich meine. Oder Sie machen es wie Oettinger, das ist sogar fast noch populärer: „Frei von der Leber weg“ habe er gesprochen, sagte der EU-Kommissar, will heißen: Der Rassismus ist ihm so rausgerutscht. 

Lesen Sie hier über einen Fall von Rassismus in den USA

Das Schöne ist: Genau das kann man ihm glauben. Es heißt allerdings auch: Was einem rausrutscht, muss auch drin gewesen sein. Und das müssen Sie jetzt alle noch lernen: Sich als Rassisten zu outen, indem Sie sich für Rassismus entschuldigen.

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