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Der Film „Monuments Men“ singt das hohe Lied auf die Befreiung von Kunstwerken.

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Raubkunst

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Der Film „Monuments Men“ ist eine alles andere als triviale Heldenerzählung. Die Debatte um Raubkunst geht weiter.

Als der Film in den letzten Tagen wieder einmal in einem der privaten TV-Programme lief, ließen sich die Dimensionen ahnen. Die Geschichte der „Monuments Men“, die George Clooney selbst inszeniert und in der er auch die Hauptrolle gespielt hat, besann sich auf die Freiheit im Umgang mit historischen Details, um das hohe Lied auf die Befreiung von Kunstwerken zu singen, die Rettung von Kunstschätzen, die die Nazis auf ihrem Beutezug durch Europa geraubt hatten. Clooneys Film ist eine Hollywooderzählung, gewiss. Doch eine alles andere als triviale Heldenerzählung, die Anfang 2014, als sie auf der Berlinale gezeigt wurde, wegen der Debatte über die Raubkunstfunde des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt umso aufmerksamer verfolgt wurde.

Vor mittlerweile fünf Jahren wurde erneut offensichtlich, dass die Hinterlassenschaft der nationalsozialistischen Raubkunstzüge eine Hypothek bleiben wird. Auch deswegen, weil Kenner des Kunsthandels darauf aufmerksam machten, wie sehr in einem moralfernen Milieu der Profiteure eine Schlussstrichmentalität herrscht, vollkommen selbstverständlich, vollkommen selbstgerecht.

Auch mit Blick auf eine solche Haltung ist die historische Verantwortung, wie sie jetzt die Kulturminister von Bund und Ländern in ihrem Papier formuliert und gefordert haben, wichtig. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, hilft wahrscheinlich nicht so sehr der trockene Humor weiter, mit dem die „Monuments Men“ ihrer Mission nachgingen, wohl aber ein immer wieder angedeuteter bürokratischer Aufwand, der ihren Heldentaten vorausging und ohne den sie ihre Rettung der Kunstschätze nicht hätten bewältigen können. Alle Appelle gingen ins Leere, alle Papiere wären nur Makulatur, wenn die Kulturminister von Bund und Ländern die Provenienzforschung nicht mit genug Mitteln für eine handlungsfähige Bürokratie ausstatteten.

Die „zielgerichtete Geschichtsvergessenheit“, von der der Kunstkritiker und Kunstmarktexperte Stefan Koldehoff vor einigen Jahre sprach, lässt sich auch auf den Umgang mit dem kolonialen Erbe übertragen. Die Agenturen berichten, wie auf der soeben eröffneten Tefaf in Maastricht, der weltweit führenden Messe für alte Kunst, Teile einer Branche das Thema Kolonialismus ignorieren. Sie behandeln Raubkunst aus der Kolonialzeit wie selbstverständlich zur Verfügung stehende Kolonialwaren. Teile der internationalen Händlerszene spekulieren auch auf diesem Terrain auf profitable Amnesie und lukrative Amnestie.

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