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Hauptsache hantieren: Haushaltstätigkeiten stärken das Hirn - der Haken: Man muss sich regelmäßig verrichten. 

Times mager

Putzblitz

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Gerade noch recht zum Frühjahrsputz erreicht uns eine wichtige Erkenntnis.

Vor Beginn des Schreibens dieser speziellen Glosse hat das Times mager den Boden feucht gewischt, sogar die Wollmäuse unter dem Bett herausgewischt, die Teppiche abgesaugt, die Badewanne geschrubbt, die Kacheln mit Entkalker behandelt. Der Staub in den Bücherregalen und die Arbeitsflächen in der Küche bilden einstweilen die stille Graue-Zellen-Reserve, falls Wischen, Saugen, Entkalken wider Erwarten nicht ausreichen für diese Spalte Text. Das heißt, falls diese Haushaltstätigkeiten das Denken nicht so in Schwung bringen, dass es bis zu Zeile 86 reicht.

Denn: „Arbeit im Haushalt hält das Gehirn jung“, melden Wissenschaftler. „Jedes Bisschen hilft“, lautet ihr Fazit, leichte Aktivitäten von ein, zwei, drei Minuten Dauer bringen angeblich schon was. Also vielleicht hilft auch der eine angebrannte Topfboden, den man schrubbt. Oder die drei Sofakissen, die man aufschüttelt, schließlich schüttelt man die Arme mit. Blumengießen? Nun ja, man bewegt sich ein paar Meter vom Wasserhahn zu den Töpfen und trägt eine je nach Größe schwere Kanne, immerhin.

Doch, erklärt Nicole Spartano von der Boston University, eine mittelstarke oder starke körperliche Betätigung, eine allgemeine Fitness sei schon auch wichtig. Aber insbesondere dem Gehirn, so glaubt man festgestellt zu haben, nützen auch schon der sachte Spaziergang und eben die ein oder andere Haushaltsputz- und -aufräumerledigung. Blusen bügeln? Spaghetti kochen? Warum nicht. Hauptsache hantieren.

Die Nachricht kommt vielleicht gerade noch recht zum Frühjahrsputz, für den sie als Anreiz dienen kann, etwa so: Verjüngen Sie Ihr Gehirn, während Sie die Fenster spiegelblank reiben oder die Heizkörper entstauben. Bei der Generalreinigung der Küchenschränke werden Ihnen frische Ideen kommen. Die gestaubwedelten Deckenlampen werden ebenso strahlen wie Ihre Augen über den Einfall, den das derart ermunterte Denken hervorbringt. Und führt es vielleicht gar zu Genieblitzen, wenn die Abstellkammer ausgemistet wird?

Und jetzt kommen für Feudelhasser, Bügelverächter und generelle Skeptiker die harten Zahlen. Das Bostoner Team um Dr. Nicole Spartano meint beweisen zu können, dass eine Stunde leichter Haushaltstätigkeit (der Haken daran: eine Stunde täglich) zu einem um 0,22 Prozent größeren Gehirnvolumen führt. Allerdings weisen sie gleichzeitig darauf hin, dass der Mensch ab etwa 60 jedes Jahr 0,2 Prozent dieses Volumens einbüßt.

Es ist also für die über Sechzigjährigen ein Nullsummenspiel. Allerdings eines in einer tipptopp aussehenden Wohnung.

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