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Für Kunstwerke ist das nicht der beste Ort.

Times mager

Kunststücke

Selbst auf Luxusyachten kann allerlei schiefgehen, sogar mit sündteurer Kunst. Aber bitte nicht kleben.

Von Judith von Sternburg

Der Clou an Hugo von Hofmannsthals und Richard Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ ist, dass der reiche Mäzen recht hat. Er ist ein launischer Ignorant, er ist ein zu Geld gekommener Wiener und er schickt noch dazu seinen schamlosen Haushofmeister vor, einen Mann, der nicht einmal singen kann. Aber er hat recht. Sein bescheuerter Vorschlag, nein, Befehl, die Oper „Ariadne auf Naxos“ und das lustige Singspiel „Die ungetreue Zerbinetta“ ineinanderzustecken, führt zu einem der schönsten Akte der Musikgeschichte. Nun ist allerdings auch der neureiche Wiener eine Erfindung des Schriftstellers und des Komponisten. Was passiert aber, wenn niemand ihm eine Handlung schreibt, in der sich alles zum Guten wendet?

Der britische „Guardian“ berichtete zuletzt davon, was Menschen berichten, die beruflich mit unglaublich teuren Kunstwerken auf Luxusyachten zu tun haben. Für die anderen Menschen, die nicht einmal wussten, dass es auf Luxusyachten unglaublich teure Kunstwerke gibt (dazu gehört bedauerlicherweise häufig auch das Luxusyachtpersonal), ist das recht abwechslungsreich. Man lernt eine Familie kennen, deren Kinder ihr Müsli über ein Bild von Jean-Michel Basquiat gossen, weil sie es so grausig fanden. Das Personal versuchte dann, das Müsli wegzuwaschen. Man erfährt von einem Sektkorken in der Leinwand eines Mehrere-Millionen-Euro-Kunstwerks, einer 86.000-Euro-Lampe, die beim Herüberwerfen eines Kissens zu Bruch ging, einem aus Platzgründen um 90 Grad gedrehten Rothko und einem ebenfalls aus Platzgründen beschnittenen Bild von Takashi Murakami. In Luxusvillen passiert das vermutlich ständig, aber auf See ist keine professionelle Hilfe zur Hand. Deshalb gibt es 295-Dollar-Eintageskurse für Yachtangestellte (kein Tesa auf die angeritzte Stelle!). Die Kunstexperten, die hier eine Marktlücke entdeckt haben, finden das alles ohnehin halb so wild. Die klimatischen Bedingungen auf Schiffen dieser Güte seien u. U. gut, heißt es.

Man sieht vor sich, wie der reiche Wiener einen Rothko hochkant stellen lässt und der Haushofmeister lacht, weil da eh kein Unterschied sei. Und wie der reiche Wiener aber einsieht, dass man einen Takashi Murakami besser abschneidet, weil man erkennt, was oben und unten ist. Und schon, dass Rothko und Takashi Murakami hier in einem Absatz vorkommen und gleich mehrmals, demonstriert, dass es mit alledem böse enden muss.

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