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Noch hat sich kein Tierschützer über die Kuhkuss-Challenge beschwert. Nicht nur das Times mager wundert sich darüber.

Times mager

Kuhkuss

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In seinen schlimmsten Alpträumen hätte sich früher kein Bauer vorstellen können, dass es einst Menschen geben würde, die versuchen könnten, seine Kühe zu küssen.

In einer Zeit vor gefühlt hundert Jahren, als das barfuß über die Wiese laufende Kind noch alle paar Tage auf eine Biene trat (und die Mutter glücklicherweise immer schnell eine Essigkompresse zur Hand hatte), als es noch Schmetterlinge und Käfer zu fangen und zwecks vorsichtiger Begutachtung in der hohlen Hand zu halten gab, als das Kind und die allerliebste Freundin noch eifrig Regenwürmer aus der Erde pulten, um sie den Hühner vor den Schnabel zu werfen, als das Kind aber auch todtraurig war, dass Hase Hasi plötzlich verschwunden war und die Freundin unter Tränen berichtete, sie habe Hasi essen (!) sollen und man sich darüber verständigte, dass die Erwachsenen hinterlistig, herzlos und gemein sind, weil sie einen ein Häschen zuerst benennen, streicheln, jeden Tag mit Löwenzahnblättern füttern lassen, das später in Teilen und in brauner Soße vor einem, äh, ruht – in dieser Zeit vor gefühlt hundert Jahren war es auch, dass das Kind mit der zweitliebsten Freundin ab und zu Kühe austreiben durfte.

Küheaustreiben ist eine komplexe Aufgabe

Das Küheaustreiben, Sie mögen es glauben oder nicht, machte das Kind dermaßen stolz, dass es am liebsten das ganze Dorf zusammengeläutet hätte, auf dass es Spalier stehe. Denn Kühe, das hatte der Bauer (und Papa der zweitliebsten Freundin) mit großem Ernst erklärt, Kühe muss man mit dem Respekt behandeln, den ein Tier verdient, das einen umschubsen kann wie nix. Oder Schlimmeres (das Schlimmere hatte mit Treten zu tun). Das Küheaustreiben war also eine verdammt komplexe Aufgabe: oben Schwanz und seinen Anhaftungen ausweichen, unten warmen Kuhfladen ausweichen, Abweichler mit dem Stock anstupsen, aber keinesfalls erschrecken.

In dieser Zeit vor gefühlt hundert Jahren war das Wort Challenge noch ungefähr 99 glückliche Jahre entfernt; und in seinen schlimmsten Alpträumen hätte kein Bauer sich vorgestellt, dass es einst Menschen geben würde, die versuchen könnten, seine Kühe zu küssen, um von diesem Vorgang ein Foto zu schießen und ins Internet zu stellen. Zu küssen übrigens „mit oder ohne Zunge“ – wessen Zunge gemeint ist, da halten sich die Schweizer Initiatoren der Challenge bedeckt.

Noch hat sich kein Tierschützer gemeldet, und das wundert das Times mager sehr, denn: Wo bleibt der Respekt gegenüber der muhenden Kreatur? Und wer weiß schon, welche Krankheiten der zungenküssende Mensch auf die Kuh überträgt? Gemeldet hat sich aber immerhin die österreichische Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger mit der Warnung: „Aktionen wie diese können ernste Folgen haben“.

Aber zum Helden wird man halt trotzdem nicht. Das Times mager empfiehlt, zur Steigerung der Challenge wenigstens den Stier zu nehmen.

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