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Ob dieses Model wohl wirklich der Reizdarm plagt?

Times mager

Gereizt

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Wie schön, wenn auch die Reklame mit dem Reizdarm-Zeug „wie weg“ wäre.

Aus dem Internet kennen wir alle den Disclaimer, hier (mit Dank an Wikipedia) ein Beispiel: „Für alle Links auf dieser Homepage gilt: Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller verlinkten Seitenadressen auf meiner Homepage und mache mir diese Inhalte nicht zu eigen.“ Mit anderen, um nicht zu sagen eigenen Worten: Mit dem ganzen Müll, den ich hier verbreite, habe ich im Zweifel nichts zu tun, ich will ja keinen Ärger.

Nun ist der Disclaimer in Wahrheit viel älter als das Internet, man denke an Sätze wie „Ich will ja nicht widersprechen, aber du erzählst Humbug“ oder „Ich will ja nichts sagen, aber können Sie leiser niesen?“. Oder auch „Ich habe nichts gegen Ausländer, sie sollten nur bitte dort bleiben, wo sie keine Ausländer sind“ – diese wohlvertraute Botschaft hat inzwischen sogar eine ganze Partei bis in den Bundestag getragen.

Wer das alles weiß, ahnt natürlich, was folgen wird, wenn aus dem Fernsehen der Satz „Es ist nicht so einfach, über Darmprobleme zu sprechen“ kommt. Nämlich was? Richtig: „Bauchkrämpfe, Blähungen und immer mal wieder Durchfall. Oft ganz plötzlich ab zur nächsten Toilette. Ach je!“ Muss das sein?

Der Schauspieler gibt sich alle Mühe, so zu wirken, als wäre er keiner, ungefähr so wie die Schauspieler bei diesen gespielten Straßenbefragungen vom Brillenhändler, aber das wollen wir den Schauspielern nicht verübeln, es gehört zur Schauspielerei wie die Blähung zum Reizdarm, dass man so tut, als wäre es kein Spiel. Jedenfalls, wenn der Regisseur es „authentisch“ will, und gerne stellen wir uns vor, wie ein sehr moderner Werbefilmregisseur den armen Mann mit dem gespielten Reizdarm anschreit, er solle reden wie jemand, der über Dinge redet, über die er angeblich nicht reden will usw.

Es stellt sich dann doch nach der zweiten bis dritten Wiederholung des Spots, der für irgendein Medikament wirbt, ein gewisses mentales Völlegefühl ein wie nach überfettetem Essen minderer Güte. Verbunden natürlich, ebenso wie beim Essen, mit dem nagenden Ärger darüber, dass man sich die dick aufgetragene Belästigung schon wieder angetan hat.

Der Schauspieler sagt am Ende, seit er dieses Zeug einnehme (er sagt natürlich nicht „dieses Zeug“), sei die Sache „wie weg“. Er sagt nicht „weg“, denn von Heilung ist hier offensichtlich nicht die Rede. Und im Stillen wünscht man sich eine Amnesie-Pille, die die Erinnerung behandelt wie dieses Zeugs einen Reizdarm: Man hat sie noch, aber sie ist „wie weg“. Man müsste dann auch kein Times mager darüber schreiben.

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