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Dudelsäcke, bis zu 120 dB laut, wenn gekonnt geblasen!

Times Mager

Kariert

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Bei den zahllosen Karomuster-Varianten muss selbst der ausgefuchste Tartan-Freund höllisch aufpassen.

Ein Besucher identifizierte den karierten Rock sogleich als dem Clan Hamilton zugehörig, allerdings zeigte sich später bei ausschweifenden Recherchen – selbstverständlich nicht in der Dienstzeit –, dass es sich um das Design „Stewart Black Modern“ handelte. Wäre es nicht „Black“ und „Modern“ gewesen, so hätte die Farbe Rot krass dominiert. Eine große Zahl von Menschen im Stewart-Tartan, lesen wir mit Interesse, konnte vor dem dunklen Hintergrund des Hochlandes den Eindruck erwecken, ein Hügel stehe in Flammen. Der in „Macbeth“ gemordete und penetrant wiedergängerische Banquo hätte als Stammvater des schottischen Königsgeschlechtes dabei sein können, wenn es ihn gegeben hätte.

Dass man mithilfe des Tartans flink herausfinden konnte, wer im Getümmel und Gefecht – und davon gab es in Schottland weiland viele – zu den eigenen Leute gehörte, relativiert sich angesichts der zahllosen Karomuster-Varianten, bei denen selbst der ausgefuchste Tartan-Freund scharf aufpassen muss. Auch die Verwechslung des ja offenbar interessierten und kundigen Besuchers war angesichts eines höchst ausdifferenzierten Systems von Streifen und Grundfarben kein Wunder. Früher war das sicher einfacher. Ein schöne Vorstellung, dass Design und Kommerz an dieser Stelle den Nahkampf deutlich erschweren, ihn praktisch unterlaufen, weil vor dem ersten Schwerthieb noch der Blick auf die Karo-Tabelle erforderlich ist. Das klingt kleinkariert, aber es handelt sich nicht um acht, neun Muster, es sind viele Dutzend. Und alle irgendwie – verdammt ähnlich.

Gleichwohl gestresst vom brennenden Hügel – dazu die Dudelsäcke (bis zu 120 dB) – und von Geistererscheinungen mag man sich nun wohl lieber Mac Moneysac vorstellen, der in Micky-Maus-Heftchen die Rolle der humorlosen Ente und des dunklen Schurken übernimmt. Jedoch ist er bei näherer Hinsicht kein Schotte und trägt nur gelegentlich einen Kilt (in diesem Falle würden wir schon eher sagen: Hamilton).

Als auch das Privatgespräch auf Mac Moneysac kam, entstand gleich mehr Streit als über das Design „Stewart Black Modern“, über das sich ohne genau Kenntnisse die Anzahl der weißen und gelben Streifen betreffend eben wenig sagen lässt. Mac Moneysac hingegen, obwohl er auf Englisch noch keinen schottischen Namen trägt, hat doch einen Tam O’Shanter auf dem Kopf, der im Gespräch nun kurzerhand als Schottenmütze bezeichnet wurde. Bloß ist Moneysacs Mütze fast nie kariert.

Bereits beim Tippen dieser Zeilen muss man erneut Bilder anschauen, um das zu glauben. Glücklich der, der vor Gericht nie als Zeuge aussagen muss.

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