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Curling: Der Henkelstein in Aktion.

Times mager

Der Henkelstein

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Kommen wir zum Sport: Sind World-of-Warcraft-Spieler Sportler? Da gehen die Meinungen auseinander. Die Feuilleton-Kolumne.

Und damit zurück zum Sport. Was aber ist ein Sport? Ist Schach ein Sport? Halma? Doppelkopf? Wahrscheinlich können wir uns darauf einigen, dass alles, was mit -ball aufhört, ein Sport ist (außer Masken- und Opern-). Aber darf sich ein Golfer tatsächlich als Sportler bezeichnen?

Der Themenkomplex wurde jüngst gestreift von den Mitgliedern des Formats „Podcast ohne (richtigen) Namen“. Es handelt sich um einen Podcast ohne richtigen Namen, dessen offizielle Bezeichnung einen Teil ihres Reizes daraus schöpfen soll, dass man die Anfangslettern (inkl. Wort in der Klammer) aneinanderreiht. Es kommt aber zumeist nichts Schmuddeliges darin vor, außer, dass sich die Männer an den Mikrofonen gelegentlich verabreden, beim nächsten Mal sämtlich nackend zum Podcasten zu erscheinen, ohne dies freilich je eingelöst zu haben. Soweit wir wissen. Man sieht seine Podcaster ja nicht. Man hört sie nur. Ein Podcast ist, wie FR-Lesende wissen, ein Quasselformat im Internet, das rein akustisch bleibt, solang es nicht Video-Podcast heißt.

Wo waren wir? Hier: Die Podcaster erwähnten, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) habe entschieden, E-Sport sei kein Sport, zumindest gehöre er nicht unter das Dach des DOSB. Anders als olympische Sportarten wie Golf, Skateboardfahren und Tauziehen. Na gut, Tauziehen flog 1920 auch raus aus Olympia.

Zum E-Sport zählen Spiele, mit denen man am Computer sitzend etwa Fußball- oder Basketballbegegnungen simuliert. Im Podcast ohne (richtigen) Namen findet man es „blöd“, dass die Diskussion darüber, ob E-Sport nun Sport sei, seit Jahren andauere, während beispielsweise Curling längst anerkannt und olympisch sei, obwohl dort nur jemand „dieses Curling-Ding“ übers Eis schieben müsse. Den Henkelstein. Andererseits: Es gebe dabei ja noch die Wischer, die das Eis schrubbten wie der Teufel, damit das Curling-Ding, der Henkelstein, den Weg ins Ziel finde. Der Henkelsteinschieber schlittere mitunter selbst hinterher und gebe Anweisungen. Auch existierten angebliche Extremsportarten wie Bungee-Jumping, bei denen man sich lediglich fallen lassen müsse. Jeder könne das.

Nicht tolerierbar sei, dass Personen sich hinstellten und behaupteten, sie seien Sportler, und dann erweise sich, dass sie lediglich professionelle World-of-Warcraft-Spieler seien. Oder Autorennfahrer. „Beim Autorennen musst du topfit sein“, wendet einer der Podcaster ein. „Beim E-Sport musst du auch topfit sein“, entgegnet ein anderer. „Ach.“

Die Debatte wird weitergehen. Ist Schießen ein Sport? Jedenfalls nicht als Reaktion auf Mensch-ärgere-dich-nicht-Niederlagen. So viel steht ja wohl fest.

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