+
Die Hauptwache in Frankfurt.

Times mager

Hauptwache

  • schließen

Was das Frankfurter Kreuz für den Auto(bahn)verkehr, der Flughafen für den Flugverkehr, ist die Hauptwache für den U- und S-Bahn-Verkehr. Was ist sie noch?

Es ist Platz steif. Platz steif? Es ist genug Fläche vorhanden, doch die Dinge stoßen sich hart im Raum. Auch war bislang Zeit satt. Zeit satt? Jedenfalls ist es nicht der erste Vorstoß, der sich seit Menschengedenken mit der Gestaltung der Frankfurter Hauptwache beschäftigt. Es gab im Jahr 2000 einen städtebaulichen Wettbewerb, es gab weitere Anläufe, größere, kleinere, sie alle versackten. Wer sich engagierte, versank in Resignation. Hat ja keinen Zweck!

Zuletzt 2017 sollte ein städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben werden. Nichts seitdem ist geschehen. Die Stadt Frankfurt legt, wenn es um diesen zentralen innerstädtischen Platz angeht, Indolenz pur an den Tag. Jetzt soll allerdings unterirdisch richtig was losgemacht werden, die B-Ebene soll durchmodernisiert, die Unterwelt aus Geschäften, Läden, Kiosken privatisiert werden.

Denn tatsächlich der weltberühmteste Beitrag zum Wahrzeichen Hauptwache ist seine B-Ebene, der Stadtraum unterhalb der Erde, der die U- und S-Bahn-Benutzer über Treppen und Rolltreppen ihrer Bestimmung zuführt. Was das Frankfurter Kreuz für den Auto(bahn)verkehr, der Flughafen für den Flugverkehr, ist die Hauptwache für den U- und S-Bahn-Verkehr. Was ist sie noch?

Ihren heutigen Zustand erreichte die Hauptwache bereits im Herbst 1968. Es ließe sich bei der Hauptwache, so schwer das heute auch fällt, allerdings noch an einen anderen Ort denken. An den oberirdischen Stadtraum, benannt nach dem 1729/30 von Johann Jakob Samhaimer (Samhammer) geschaffenen barocken Bauwerk aus rötlichem Mainsandstein und Walmdach, von der Stadt als Wahrzeichen vermarktet.

Das ist unter den gegebenen Umständen Hochstapelei, denn die barocke „Hauptwache“ liegt auf der ungeschlachten Hauptwache halt so rum. Diese Verhältnisse sollen durch die jüngsten Vorhaben wahrhaftig nicht angetastet werden, wenn der Betrieb der Geschäfte in der B-Ebene durchprivatisiert werden soll. In München soll das tipptopp geklappt haben. Deshalb will Frankfurts Römer-Koalition über das Vorbild München stark nachdenken.

Im Zuge dieser Reflexion wird über die VGF, die Verkehrsgesellschaft Frankfurt, den bisherigen Betreiber der B-Ebene, auf eine Weise gesprochen, dass kein Frankfurter mehr daran glauben kann, es handle sich bei der VGF um den richtigen Manager. Darüber wird Frankfurt Zeuge, wie Politiker, die für Frankfurt verantwortlich sind, sich auf die Investition in eine Ladenzeile beschränken. Jede auch nur gedankliche Investition in eine urbane Verbesserung wird offenbar von vornherein gedeckelt. Diese unterirdische Ignoranz hat wahrhaftig etwas Doppelbödiges.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion