+
Herr Matthäus, atemlos.

Times Mager

Wenn Didaktik nicht aufgeht

  • schließen

Die Freude ist groß, wenn beim Fußballspiel der Satz „Das ist ja Didaktik“ aus dem Fernseher tönt.

Wenn es in Deutschland eine Institution gibt, die der Bildung, dem Wissen und dem Lernen Vorschub leistet, dann ist das ohne Zweifel das Times mager. Diese herausragende Stellung verdankt es nicht zuletzt seinen unermüdlichen Anstrengungen, Lerninhalte in einer zugleich ansprechenden und anspruchsvollen Form aufzubereiten. Und da das in praktisch allen Fällen gelingt, lässt sich jetzt schon sagen: In Sachen Didaktik macht dem Times mager niemand etwas vor.

Sehr erfreulich ist, dass landauf, landab Initiativen zu erkennen sind, die diesem Vorbild folgen. Eine ganze Messe, die an diesem Dienstag in Köln beginnt, nennt sich „didacta“ – ein Muss für alle, die das Bedürfnis haben, fünf Tage mit einer Unmenge von Lehrerinnen und Lehrern zu verbringen. Aber Wertschätzung sollte die Didaktik unbedingt auch in Bereichen finden, die bisher noch einen gewissen Rückstand aufgewiesen haben.

So war die Freude groß, als aus dem gerade eingeschalteten Fernseher der Satz „Das ist ja Didaktik“ tönte, obwohl auf dem Bildschirm eindeutig ein Fußballspiel zu erkennen war. Aber ach: Kaum hatte das didaktische Herz einen Sprung gemacht, war die Enttäuschung auch schon groß, denn im Fernsehen sprach kein anderer als Herr Matthäus aus dem Fränkischen, und aus dem Zusammenhang seiner atemlos, ja odemlos vorgetragenen Rede ergab sich rasch der eigentliche Sinn.

Welche Taktik genau gemeint war, ist dem Times mager entfallen. Jedenfalls ging es, wenn die Erinnerung nicht trügt, um die Taktik von Hertha BSC Berlin, dessen Trainer Pal Dardai (und nicht etwa Pal Tartai) heißt und höchstwahrscheinlich sowohl die Taktik als auch Didaktik sehr gut beherrscht, sonst wäre es nicht schon vier Jahre her, dass er die Drainage der Berliner Profimannschaft übernahm. Erst in der Nachspielzeit erwies sich, dass Didaktik nicht immer aufgeht, denn die Berliner Abwehr half mit lustigen Abfälschungen einem Freistoß von Werder Bremen ins eigene Tor. Wer auch immer so tut, als sei der Ball dann noch haltbar gewesen, stellt eine unhaltbare Behauptung auf.

Nie und nimmer wird das Times mager sich über die landsmannschaftlichen Einfärbungen unserer Muttersprache amüsieren. Der Inhalt ändert sich nämlich, wie soeben gezeigt, durch dialektale Einflüsse nur dann, wenn man sich zwar ohne böswillige Absicht, aber in letztlich diskriminierender Weise verhört.

In Wahrheit wird und soll keine Daktik dieser Welt Lothar Matthäus davon abhalten, das Idiom seiner Heimat zu verwenden. Es wäre schon viel gewonnen, wenn er mal Luft holen würde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare