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Punxsutaney Phil dürfte das genervteste Murmeltier der Welt sein.

Times mager

Dermophis

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Was hat Murmeltier Phil mit einem Wurm gemeinsam? Dass der Mensch sie nicht in Ruhe schlafen und buddeln lässt. Die Feuilleton-Kolumne.

Gerade wieder wurde Phil unter Tschingdarassa & -bumm und um kurz nach 7 Uhr (kurz nach 7! morgens! an einem Februartag!) ins Freie gezerrt, um seinen sicherlich brutal knurrenden Bauch gepackt, durch die Luft geschwenkt – und dann sollte er, schwindelig geworden, sehen, ob er einen Schatten geworfen hat. Eine Zumutung für ein Waldmurmeltier, das doch eigentlich nur in Ruhe, äh, murmeln möchte, bis draußen Frühling ist. Bis die Waldblümchen aus dem Boden stoßen, die Säfte steigen und der Mensch sich vor allem für den Menschen interessiert und ob dieser oder jene mit ihm einen Waldspaziergang macht.

Ohnehin hat der Mensch bis dahin andere Prioritäten gesetzt und vergessen, ob Punxsutawney Phil in Punxsutawney gerade einen frühen Frühling oder sechs weitere Wochen Winter vorhergesagt hat. Und überhaupt schaut der Mensch heutzutage auf sein Smartphone, um zu erfahren, wie das Wetter wird. Und überhaupt kann es sein, dass Balzac Billy, Shubenacadie Sam, Wiarton Willie oder Staten Island Chuck anderer Meinung sind. Ganz zu schweigen davon, dass die Vorhersagen am Groundhog Day laut Wikipedia zu gerade mal 37 Prozent zutreffen. Das ist ja nicht eben viel. Da könnte man Phil ja genauso gut schlafen lassen und stattdessen eine Münze werfen.

Leider wurde die Zeremonie sehr bekannt durch den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“, so dass Phil nun unter Leistungsdruck steht, auch was das Läutern von charakterlich Verbesserungsbedürftigen aka Stinkstiefeln betrifft. Diese aber sind selten so aufmerksam, die Bemühungen eines Murmeltiers überhaupt zu bemerken. Die denken doch, das Tierchen möchte was von ihnen haben (das Frühstückscroissant?) oder ihnen einen guten Tag wünschen, weil sie so tolle Hechte sind. Oder so tolle Schleichenlurche.

Allemal spurlos wird darum an Donald Trump vorbeigehen, dass Biologen in diesen Tagen einen neu entdeckten Schleichenlurch Dermophis donaldtrumpi nannten, weil er blind ist und sich Kopf voraus in den Sand gräbt. „Kleine Schleichenlurche können leicht mit Regenwürmern verwechselt werden, große Arten erscheinen schlangenartig“, weiß Wikipedia. Aber man kann keinen mit einer Wurmschlange beschämen, der sich nicht beschämen lässt. Und überhaupt: Phil und Dermophis haben sich bis vor kurzem um nichts als ihre eigenen Angelegenheiten gekümmert. Das möchte man auch den Menschen raten.

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