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Es gibt eine sehr schöne Möglichkeit, mit dem Finanzamt Kontakt aufzunehmen: Man schreibt einen Brief.

Times mager

Brief

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Mal ehrlich, faxen Sie noch oder mailen Sie schon? Eine Frage, die man dem nicht näher bezeichneten Finanzamt gar nicht erst stellen sollte. 

Für die Jüngeren: Wenn ein Brief erst mal da ist, unterscheidet er sich kaum von einer E-Mail. Man kann ihn lesen, wann man will, und wenn man ihn in den Papierkorb wirft, ist das so ähnlich wie Löschen. Aber andererseits ist ein Brief etwas ganz anderes als eine E-Mail. Vor allem ein amtlicher Brief, denn der zählt. 

Wenn das Finanzamt, das hier nicht näher benannt werden soll, nicht über einen riesigen eigenen Wald verfügt, dann frisst das Times mager einen Besen. So riesig ist der Wald und so gesund, dass das Finanzamt Tag für Tag eine große Menge Bäume fällen kann, ohne dass es auffällt. 

Aus den Bäumen macht das Finanzamt Papier, riesige Berge von Papier. Und auf das Papier schreibt es jeden Tag unfassbar viele Briefe, die man nicht sofort wegwerfen sollte, denn sonst bekommt man noch mehr Briefe, in denen steht, dass man noch mehr bezahlen muss, weil man nicht bezahlt hat, was man allerdings hat, was das Finanzamt aber nicht weiß, weil es geschrieben hat, bevor das Geld dort war. 

Wahrscheinlich bezahlt das Finanzamt mit den Säumniszuschlägen, die es in seinen Briefen verlangt, die Sägen, mit denen es in seinem Wald die Bäume fällt. Auf den Briefen steht keine E-Mail-Adresse. Eine Faxnummer schon, herrlich!, aber mal ehrlich, faxen Sie noch oder mailen Sie schon? Eine Frage, die man dem nicht näher bezeichneten Finanzamt gar nicht erst stellen sollte. 

Eine Telefonnummer gibt es auch, aber die ist nur zum Hören der Musik, die folgendermaßen angesagt wird: „Die aktuelle Wartezeit beträgt leider mindestens zehn Minuten. Nach 15 Minuten wird die Verbindung automatisch beendet.“ Es soll in und um Frankfurt Steuerberater geben, die fast ganztätig Musik hören, nur unterbrochen durch vereinzelte Gespräche mit Finanzbeamten. 

Es gibt eine sehr schöne Möglichkeit, mit dem Finanzamt Kontakt aufzunehmen: Man schreibt einen Brief. Er überschneidet sich zwar regelmäßig mit der nächsten Mahnung oder „Vollstreckungsankündigung“, die das Finanzamt längst geschrieben hat, bevor unsereins auf die vorherige reagieren bzw. bevor der entsprechende Brief das Finanzamt erreichen konnte. Aber es soll schon Fälle gegeben haben, in denen die Korrespondenz zu einem Ergebnis führte. 

Es hat, zugegeben, eine zwingende innere Logik, dass im Finanzamt kaum jemand ans Telefon geht. Wenn Sie den ganzen Tag Briefe schreiben müssten, hätten Sie dafür auch keine Zeit. Außerdem hat so alles seine Ordnung, das Finanzamt ist schließlich eine Behörde, also eine Art Arm des Gesetzes. Wie schon Denis Diderot vor etwa 250 Jahren bemerkte: „Die Kunst des Briefeschreibens ist nichts anderes als die Kunst, die Arme zu verlängern.“

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