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Kalifornien, wo gerade der Goldmohn, Eschscholzia californica, blüht.

Times mager

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Gedrängel am Lake E. wegen Mohn und ausgebuchte Hotels in F.  – und in jedem Hotelzimmer sitzt eine junge Frau, der langweilig ist.

Hallo! Ich heiße Emilia. Ich bin für eine Woche in deine Stadt gekommen.“ In meine Stadt bzw. meinen Briefkasten gekommen sind außerdem (und das nur zwischen 17.43 und 18.03 Uhr, und das bei den Hotelpreisen in F.): Sophia, Cora, Evelyn, Eliana und Isabel. Außerdem ist jemand namens Billigste Karosserie-Reparatur eingetroffen: „Wurde deine Karosserie eingedruckt? Mit dieser Packung zu Hause reparieren kannst“. Kannst, wenn eingedruckt, sicher. Aber ist nicht eingedruckt, deswegen verzichtig. Eingetroffen ist außerdem ein unverknotbarer, unkaputtbarer „brutal starken 60 Meter langen Wasserschlauch, bekommst du auch Druckdüse.“ Der brutal starken Schlauch wirkt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Emilia, Sophia, Cora, Evelyn, Eliana und Isabel ein wenig, nun ja, zweideutig. Und die Druckdüse erst.

Gedrängel also in F., ausgebuchte Hotels – und in jedem Hotelzimmer sitzt eine junge Frau, der langweilig ist. Was wird der Oberbürgermeister von F. tun?

Gedrängel aber auch in Lake E., einem Ort in Kalifornien, wo gerade der Goldmohn, Eschscholzia californica, blüht. Etwa 50 000 Besucher strömten nach Lake E. – oder eher: standen in meilenlangen Staus rund um Lake E. -, um dortselbst ein Selfie mit Mohn zu schießen. Die Verantwortlichen beschlossen, die Gegend zu sperren, ehe die letzte Blüte zertrampelt wäre und nicht einmal die Bewässerung mittels eines brutal starken Schlauchs mehr helfen würde. Da war auf #superbloom bereits #poppynightmare gefolgt.

Indessen stürzte eine Internet-Seite ab (Karosserie eingedruckt? Schwacher Schlauch? Zu viele junge Frauen, die einsam sind?), auf der Briten eine Petition gegen den Brexit unterzeichnen konnten. Beziehungsweise auch noch können, sobald der Ansturm nachlässt und die eingedruckte Seite ein weiteres Mal repariert ist. Bis zu 1500 Menschen pro Minute versuchten, den Brexit zum Teufel zu schicken. Das hält die stabilste Homepage nicht aus. Und was ist in Großbritannien derzeit noch stabil? Eben.

Doch während man im Vereinigten Königreich noch nach preiswerten Reparaturpackungen für zu Hause sucht und nebenbei Klopapier hortet (so eine der aktuellen Brexit-Nachrichten), gab es schon lange keine Meldung mehr, wonach ein Zehnjähriger aus Versehen ungefähr vier Millionen Leute zu seiner Geburtstagsparty eingeladen hat. Die Kids gehen stattdessen fürs Klima demonstrieren. Und man kann immerhin hoffen, dass Emilia, Sophia, Cora, Evelyn, Eliana und Isabel sich anschließen, statt im Hotelzimmer rumzuhängen.

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