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Tier & Bühne

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Määäääh! Platz 2.
Määäääh! Platz 2. © Imago

Tiere auf der Theaterbühne, ein weites Feld. Hier unsere Top Five.

Den Gockel Igor und seinen verhinderten Auftritt im Opernhaus in Düsseldorf möchten wir zum Anlass nehmen, die Top Five der Tiere auf der Theaterbühne zu präsentieren.

5 Olimpie und die Elefanten. Spontinis Oper „Olimpie“ (1819), eine tragische Geschichte aus dem familiären Umfeld Alexanders des Großen, soll in Paris mit zwei Elefanten uraufgeführt und in Berlin immerhin noch mit einem gezeigt worden sein. Das Publikum der Zeit war Tiere auf der Bühne so gewöhnt, dass es schnäubisch unterkühlt blieb.

4 Ben van Cauwenberghs Pferd. Der damalige Wiesbadener Ballettdirektor Ben van Cauwenbergh ließ den Prinzen in „Dornröschen“ 2003 auf einem Pferd reiten, nein, sitzen. Mit allergrößter Vorsicht wurde das riesige Tier auf die plötzlich viel zu kleine Bühne geführt. Alle staunten, aber nicht mehr, als wenn ein Pferd die Wilhelmstraße hinabgetrabt wäre.

3 Die Ziege der Dinorah. In der einschlägigen Literatur (Winfried Bönig und Tilmann Claus: „Einsteins Violine“, Beck 2010) wird Meyerbeers „Dinorah“ (1859) als Oper vorgestellt, die ohne dressierte Ziege unaufführbar ist. Tatsächlich wird aus einer Herde – so dass die Ziegen als Gruppentiere sinnig als Gruppe auftreten könnten, vgl. den Fall Igor – eine besonders hervorgehoben. Gewiss könnten aber verkleidete Statisten das übernehmen. Leider gibt es kein Opernhaus, das sich dem Problem aktuell stellen mag, obwohl fast jeder Versuch, Meyerbeer dem Vergessen zu entreißen, von Erfolg gekrönt ist.

2 Goebbels Schafe und Hundings Hunde. Heiner Goebbels ließ 2014 bei der Ruhrtriennale in „De Materie“ eine Schafherde sich tummeln, eine meditative Situation. Robert Carson garnierte 2010 im Kölner „Ring“ die Anfangstakte der „Walküre“ mit Schäferhunden, die dem flüchtigen Siegmund nachspürten. Ihr Bellen hört man heute noch, wenn die ersten gehetzten Takte erklingen.

1 Der Hund des Aubry. Das gleichnamige Theaterstück von Monsieur de Pixérécourt war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Riesenknaller. Dragon, Augenzeuge des Mordes an seinem Herrn, bemüht sich darin redlich, den Mörder zu überführen. Es gab Schauspieler, die ihren Lebensunterhalt damit verdienten, einen fähigen Hund für die Rolle aufbieten zu können. Berühmt waren ein Pudel sowie ein gewisser Munito. Goethe war entsetzt. Zwar konnte er die Aufführung am Weimarer Hoftheater nicht verhindern. Dennoch markierte dieser Höhe- zugleich den Wendepunkt hin zum vorerst tierfreien Hochkulturereignis. Heute soll sich das Tier auf der Bühne wohlfühlen, es selbst sein (siehe 2 ).

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